Wachstum aus Verlust: Die heilende Kraft deiner Resilienz

(Selbstheilung · Seelenbalance · Wachstum aus Schmerz)

Zuerst einmal: Was ist diese Resilienz eigentlich?
Der Begriff stammt vom englischen Wort resilience (Spannkraft, Elastizität, Strapazierfähigkeit) und kommt ursprünglich aus der Werkstoffphysik. Materialien wie Gummi oder der Schwamm erinnern uns daran: Sie geben nach – und kehren danach wieder in ihre Form zurück. Belastbar, ja. Aber Resilienz bedeutet noch etwas Tieferes: die Fähigkeit, nach einem Rückschlag wieder aufzustehen und sogar stärker daraus hervorzugehen.

In der Psychologie spricht man von Resilienz, wenn ein Mensch psychisch widerstandsfähig ist. Sein „seelisches Immunsystem“ unterstützt ihn dabei, Krisen zu überstehen – und in stressauslösenden, belastenden oder ungewissen Zeiten bei Kraft zu bleiben. Resiliente Menschen haben diese besondere Fähigkeit, nach Druck, Verlust und Unsicherheit wieder Orientierung zu finden, optimistisch zu bleiben und selbst in schwierigen Situationen Sinn zu erkennen. Nicht zufällig nennt man sie auch Stehauf-Menschen.

Resilienz ist zugleich persönliche Fähigkeit und ein Prozess, gespeist durch Erfahrung, Haltung und ein unterstützendes Umfeld. Gerade im Trauerfall kann sie uns tragen – nicht indem sie Schmerz wegradieren würde, sondern indem sie uns ermöglicht, daran nicht zu zerbrechen.
Für mich persönlich ist Resilienz eine angeborene Superkraft. Aber sie möchte gepflegt werden, denn sie entsteht aus innerer Haltung, Erfahrungen und Faktoren, die uns stützen. Die gute Nachricht: Jeder Mensch kann sie entwickeln und stärken.

Selbstwirksamkeit als Schlüssel

In der Gesundheitspsychologie spricht man von Selbstwirksamkeit – der Überzeugung:
„Ich kann diese Situation mit meinen eigenen Fähigkeiten bewältigen.“

Diese innere Gewissheit ist ein Schatz. Sie macht widerstandsfähiger, stärkt die Resilienz und führt uns gesünder und kraftvoller durchs Leben.

Mit meinem Buch „Wohlfühlogie – Oder (m)eine Wissenschaft des Wohlfühlens“ möchte ich Menschen genau dazu ermutigen: ihre Selbstheilungskräfte zu entdecken, der eigenen Intuition zu vertrauen und neue Wege zu einem erfüllten, gesunden Leben zu gehen – aus sich selbst heraus.

Nichts davon wurde in der Schule gelehrt. Achtsamkeit, Glücklichsein, Atmung – falls uns das niemand mitgegeben hat, mussten wir es uns selbst beibringen.

+++ Leseprobe +++

Ein Einblick in das Kapitel aus dem Buch Wohlfühlogie – Oder (m)eine Wissenschaft des Wohlfühlens

Resilienz – die stille Stärke in uns 

Wenn man über die Positive Psychologie spricht, kommt man um einen Begriff nicht herum: Resilienz. Klingt ein bisschen technisch, wie das Innenleben eines Dämpfungssystems oder die Reißfestigkeit von Gummibändern – und doch beschreibt es etwas zutiefst Menschliches. 

Resilienz bedeutet im Kern: die Fähigkeit, trotz Belastung innerlich stabil zu bleiben – oder nach einem Einbruch wieder aufzustehen. Nicht, weil alles leicht war. Sondern, weil etwas in uns nicht zerbrochen ist. Die Resilienz hat uns dazu gebracht weiterzumachen, nicht aufzugeben und wir gehen gestärkt aus der Situation heraus. 

Ich nenne sie gern die stille Stärke. Nicht laut, nicht spektakulär. Eher wie ein tiefer Atemzug nach einer schlaflosen Nacht. Wie der Moment, in dem du dich entscheidest, weiterzugehen – auch wenn du nicht weißt, wohin genau. Oder wie das kleine Pflänzchen, das sich durch den Asphalt bohrt. Der grüne Löwenzahn schafft es überall zu überleben und er leuchtet wunderschön fröhlich gelb, wenn er blüht. 

In meinem Leben war Resilienz kein Konzept aus einem Fachbuch, sondern ein täglicher Begleiter. Als mein Vater ins Koma fiel, war ich Anfang 20 – ein Alter, in dem viele zum ersten Mal in Freiheit aufatmen. Ich stand stattdessen vor einem krankenhausgrauen Ausnahmezustand, der ganze zehn Jahre dauern sollte, mit Heimbesuchen – da wir zum Glück meiner Mutter geraten haben ihn nicht zu hause zu pflegen. So konnte sie sich durch Reisen immer wieder Auszeiten gönnen und lernte auf sich selbst acht zu geben. Diese Zeit war nicht nur traurig, sondern auch prägend für uns alle. Ich musste lernen, mich selbst zu halten, meine Mutter, mein Bruder– ohne zu wissen, wie das eigentlich geht. 

Rückblickend war genau das mein erster bewusster Kontakt mit innerer Widerstandskraft. Ich habe keine Therapiestrategien erlernt, sondern Wege gefunden, die mir gut taten: Bewegung, Körperarbeit, Natur, Stille. Und immer wieder das Schreiben. Ich suchte nicht nach Diagnosen – sondern nach Lichtblicken. Und fand langsam, Schritt für Schritt, zu einer eigenen Form von Stärke zurück. 

Heute weiß ich: Resilienz ist nicht die Abwesenheit von Schmerz. Sie ist das Wissen, dass wir trotzdem weiterleben dürfen. Weiterfühlen. Weiterträumen. Sie ist kein stählerner Panzer – eher ein inneres Netz, das uns auffängt, wenn wir fallen. 

In der Wohlfühlogie ist Resilienz ein zentrales Element. Denn sich wohlzufühlen bedeutet nicht, nie aus dem Gleichgewicht zu geraten. Sondern zu wissen, wie man zurückfindet. Auf sanfte Weise. Mit dem Mut, sich selbst ehrlich zu begegnen – und mit der Zuversicht, dass in uns mehr Kraft liegt, als wir oft glauben. 

Was sie stärkt – ganz konkret 

Manche Menschen scheinen Krisen fast mühelos wegzustecken. Andere brauchen länger – und manchmal fällt es auch schwer, überhaupt wieder aufzustehen. Die gute Nachricht: Resilienz ist kein Schicksal, sondern etwas, das wir gezielt entwickeln und pflegen können – wie ein innerer Garten. 

Hier sind acht Schlüsselfaktoren, die laut der Resilienzforschung (und meinem ganz persönlichen Erfahrungsschatz) besonders wichtig sind: 

  1. Akzeptanz – Es ist, wie es ist (erst mal)
    Der erste Schritt ist oft der schwerste: annehmen, was gerade ist. Nicht schönreden. Nicht wegdrücken. Sondern hinsehen. Akzeptanz bedeutet nicht, alles gutzuheißen – sondern den Widerstand gegen die Realität aufzugeben. Erst dann entsteht Raum für neue Handlungsmöglichkeiten.
  2. Optimismus – Vertrauen, dass es besser wird
    Resiliente Menschen glauben an ein gutes Morgen. Nicht naiv, sondern tief überzeugt, dass nach jedem Sturm wieder Licht durch die Wolken bricht. Dieser innere Optimismus ist wie ein seelisches Immunsystem – er stärkt uns von innen.
  3. Selbstwirksamkeit – Ich kann etwas tunWenn wir erleben, dass unser Handeln einen Unterschied macht, wachsen wir innerlich. Selbstwirksamkeit heißt: „Ich bin nicht hilflos ausgeliefert.“ Sondern: „Ich habe Einfluss. Vielleicht nicht auf alles – aber auf einiges.“ Das stärkt das Vertrauen in die eigene Kraft.
  4. Verantwortung übernehmen – und auch mal abgebenResiliente Menschen übernehmen Verantwortung für ihr Leben – und erkennen gleichzeitig, wann es Zeit ist, nicht alles allein zu stemmen. Wer Hilfe annimmt, beweist nicht Schwäche, sondern Reife.
  5. Lösungsorientierung – Fokus aufs Mögliche
    Probleme wälzen kann jeder. Resilienz bedeutet, sich nicht im Warum zu verlieren, sondern ins Wie weiter zu kommen. Es geht nicht darum, sofort DIE Lösung zu finden – sondern den nächsten kleinen Schritt. 
  6. Netzwerkpflege – Gemeinsam geht’s leichter
    So unabhängig wir auch sein mögen – wir sind soziale Wesen. Ein unterstützendes Umfeld, ehrliche Gespräche, Nähe und Austausch: all das ist Balsam für unsere seelische Widerstandskraft. Auch wenn’s nur eine Freundin ist, die sagt: „Du schaffst das.“
  7. Selbstfürsorge – Der liebevolle Blick nach innen
    Klingt banal – ist aber entscheidend: Schlaf, Bewegung, Ernährung, bewusste Pausen. Und: das berühmte Bauchgefühl ernst nehmen. Resilienz heißt auch, gut auf sich zu achten – wie auf jemanden, den man liebt. 
  8. Dankbarkeit – psychologisch gesehen stärkt Dankbarkeit unsere Resilienz. Menschen, die regelmäßig dankbar sind, berichten seltener über depressive Verstimmungen, Schlafprobleme oder das Gefühl innerer Leere. Dankbarkeit schafft eine emotionale Basis von Sicherheit, Vertrauen und innerer Stabilität – selbst in stürmischen Zeiten.

Tine – Tipp: Diese Faktoren sind kein Patentrezept, aber ein guter Kompass. Jeder Weg ist individuell – und jede Krise auch. Was uns jedoch verbindet: das Bedürfnis, wieder in unsere Mitte zu finden. Und genau da setzt Wohlfühlogie an: bei der Rückkehr zu dir selbst – in deiner eigenen Zeit, auf deine eigene Art. 

+++ Ende der Leseprobe +++

👉 Weitere Aspekte zur Resilienz findest du in meinem Buch „Wohlfühlogie – (m)eine Wissenschaft des Wohlfühlens“.

Der Punkt, an dem das Leben kurz stillsteht

Als ich vor über 30 Jahren – damals hatte kaum jemand ein Handy – abends meinen Anrufbeantworter abhörte und die Stimme meiner Mutter hörte, fror mein Leben für einen Moment ein. Mein Vater lag auf der Intensivstation.
Der nächste Tag im Krankenhaus brachte Gewissheit: Nichts ist mehr wie zuvor.

Der Schock legte sich langsam, doch statt Klarheit kam Leere. Das Schlimmste war, die Verzweiflung meiner Mutter zu sehen. Und trotzdem … irgendwo unter all der Schwere schlug etwas weiter. Etwas leises, zartes, das sagte:
„Du schaffst das.“

Und dann kam meine Resilienz.
Wie eine kleine Pflanze, die sich durch Asphalt drückt – nicht aus Pflicht, sondern weil Leben immer seinen Weg sucht und findet.

🖤 Resilienz im Trauerfall

Trauer bedeutet nicht, etwas zu überwinden. Sie bedeutet, etwas zu integrieren.
Resilienz hilft, den Verlust als Teil des eigenen Lebenswegs anzunehmen und Stück für Stück wieder Halt zu finden.

Ich greife hier die wichtigsten Resilienzfaktoren – oder wie ich sie nenne: die Wohlfühlkräfte der Seele – noch einmal auf, diesmal im Kontext von Trauer.

Akzeptanz

Resiliente Menschen erkennen den Schmerz an – ohne ihn zu leugnen.

Was bei mir passiert ist:
Ich habe kaum noch Alkohol getrunken, weil ich verstehen wollte. Klarheit war mein innerer Kompass. Nur was gefühlt wird, kann sich verändern. Trauer, Wut, Schuld – alles darf da sein. Die Seele braucht ehrliche Räume, keine schnellen Lösungen.

Ressourcen nutzen

Familie, Freundschaft, Rituale, Spiritualität – Verbindungen tragen uns.
Menschen sind Resonanzwesen. Nähe, Worte, Berührung, Rituale geben Boden unter den Füßen.

Was bei mir passiert ist:
Ich habe eine Shiatsu-Ausbildung gemacht, mich mit TCM und anderen ganzheitlichen Wegen beschäftigt. All diese Ausbildungen haben mich stabilisiert und meine Persönlichkeit weiterentwickelt. Ohne diese Krise wäre ich vermutlich nicht so wissbegierig geworden – und hätte viele wunderbare Menschen nie kennengelernt.

Sinn finden

Resilienz wächst, wenn wir fragen:
„Was darf ich daraus lernen?“
Ein Verlust bedeutet nicht Stillstand, sondern ein Neuausrichten des inneren Kompasses.

Was bei mir passiert ist:
Für mich war es ein Weckruf: Es muss mehr geben. Meine optimistische Grundhaltung wurde noch stärker – und mein Wunsch, anderen zu helfen, wuchs. All das Schwere musste doch für etwas gut sein …

Gefühle zulassen

Resilienz bedeutet nicht, stark ohne Tränen zu sein.
Es bedeutet, weiterzugehen mit Tränen.

Was bei mir passiert ist:
Ich habe gelernt, für mich gut zu sorgen – wirklich gut. Und beim Tod meiner Mutter habe ich wochenlang sehr viel geweint. Weinen – oh, ich habe so viel geweint in diesem Jahr wie mein ganzes Leben zusammen nicht.
Ich habe meine Trauer wirklich nicht unterdrückt und meine Tränen zugelassen, auch wenn ich manchmal dachte: Wo kommen die denn alle her?
Mir hat es geholfen, den Schmerz herauszulassen, von dem ich nichts wusste.
Weinen befreit – wirklich!

Langfristige Wirkung

Verdrängte Trauer rächt sich meist später.
Resilienz bedeutet, Trauer bewusst zu durchleben und gesund zu integrieren.

Was bei mir passiert ist:
Durch diese tiefe Auseinandersetzung mit Tod und Verlust durfte ich viele Ängste loslassen, was sehr befreiend ist.

Viele Menschen, die einen schweren Verlust erleben, zeigen eine erstaunliche Widerstandskraft. Sie fallen nicht dauerhaft in eine Krise – sie finden oft schneller zurück ins Leben, als man denken würde. Auch bei mir war das so, nur habe ich es erst viel später verstanden.

Tine-Tipp:

Buch-Empfehlung: Die andere Seite der Trauer von George A. Bonanno
Ein wunderbares Werk über Resilienz, Verlust und die Fähigkeit, aus eigener Kraft weiterzugehen. Er gilt als einer der führenden Forscher im Bereich Trauer, Verlust, Trauma und Resilienz.

In Wohlfühlogie-Sprache:

Der Mensch ist von Natur aus resilient.
Bonanno schreibt: Die meisten Menschen finden nach einem Verlust aus eigener Kraft zurück. Sie pendeln zwischen Schmerz und Freude – und dieses Pendeln ist heilsam.
Es ist normal, zwischendurch zu lachen.
Das ist kein Verrat an der Liebe – das ist Selbstheilung.

Wir sind auf Erholung programmiert.
Nicht jeder Schmerz braucht Therapie – manchmal braucht er Zeit und Zuwendung.

Die Kunst, wieder JA zum Leben zu sagen

Selbstfürsorge ist hier ein stiller Held:
Schlaf, Wärme, Bewegung, Natur, Achtsamkeit, Humor, Wissen – kleine Pflaster für die Seele.

Sie haben mich getragen, als mein Leben erschüttert war.
Und mit der Selbstfürsorge kam wieder Zuversicht.
Und mit der Zuversicht kam Vertrauen, dass das Leben wieder Farbe bekommt.

Resilienz ist nicht Härte.
Resilienz ist Weichheit mit Rückgrat.
Sie erinnert uns daran, dass nach jeder Dunkelheit wieder Licht kommt – manchmal erst als zartes Glimmen.

Tine-Gedanke dazu:

Trauer ist kein dunkler Raum, aus dem man fliehen muss –
sondern ein Zwischenreich, in dem Herz und Seele sich neu sortieren.

Wenn wir uns erlauben zu fühlen – ohne Bewertung, ohne Eile – findet die innere Ordnung von selbst zurück. Und manchmal entsteht genau daraus etwas Wundervolles und Neues.
Ich durfte es erleben: Heute bin ich Autorin und Bloggerin – und darf über all das schreiben. Dafür bin ich dankbar. Dazu habe ich einen ganz eigenen Blogbeitrag verfasst. https://tinesonnengold.info/weinen-fuehlen-schreiben-mein-weg-durch-die-trauer/

Wachstum durch Verlust – das Geschenk im Schmerz

Bonanno spricht von posttraumatischem Wachstum:
Menschen entwickeln nach schweren Erfahrungen oft mehr Tiefe, Liebe, Dankbarkeit, Sinn – nicht trotz, sondern durch den Verlust.

Ich habe das genauso erlebt.
Als dieses Jahr auch meine Mutter starb, entstand in mir eine neue, überwältigende Tiefe von Liebe.
Ich erkannte, wie groß meine Liebesfähigkeit eigentlich ist.
Mit dem erneuten Verlust wuchs auch mein Mitgefühl – grenzenlos, warm, weit.

Trauer ist nicht nur ein Tal, das man durchschreiten muss, sondern auch eine Chance, neue Stärke und Sinn zu finden.

  • Reflexionsfragen
  • Wann in meinem Leben bin ich schon einmal aufgestanden, obwohl es schwer war?
  • Welche Menschen, Routinen oder Rituale tragen mich wirklich?
  • Was bedeutet für mich „stark sein“ – und darf das auch weich sein?

Die stille Stärke – Zusammenfassung in einem Satz

Resilienz ist die sanfte Rückkehr zum Vertrauen.
Das Leben darf wehtun – aber es darf auch weitergehen.

Vielleicht ist Resilienz einfach die Fähigkeit, sich selbst wieder in den Arm zu nehmen.
So habe ich sie erlebt. Unser System sucht immer nach Balance.
Wenn wir liebevoll mitgehen, folgt Heilung von selbst.
Sei geduldig mit dir. Alles braucht seine Zeit.

Von ♡ zu ♡
Deine Tine Sonnengold

P.S. Eine Metapher aus der Wohlfühlogie passt hier besonders gut:
„Wie ein Kintsugi-Gefäß – gebrochen, aber veredelt.“
Mein erster BLOGBEITRAG dazu:   https://tinesonnengold.info/loslassen-neubeginn-innere-transformation-im-rhythmus-der-natur/

👉 Mehr darüber liest du in meinem Buch „Wohlfühlogie – (m)eine Wissenschaft des Wohlfühlens“.

„Weinen, fühlen, schreiben – mein Weg durch die Trauer“

In der Trauerzeit ist unsere Selbstwahrnehmung häufig von den Erwartungen Außenstehender geprägt.

Wenn andere Menschen ungeduldig werden, weil es uns immer noch schlecht geht;
wenn wir auf Unverständnis stoßen, weil wir nicht einfach wieder zum Alltag zurückkehren können; oder wenn Freunde uns nahelegen, einen Arzt aufzusuchen, weil sie denken, dass unsere Trauer ungesund oder „nicht mehr normal“ ist – dann ziehen wir uns nicht selten diesen Schuh an.
Wir glauben tatsächlich, dass mit uns etwas nicht stimmt.

TRAUER ist ein angeborenes Gefühl und die natürliche Reaktion des menschlichen Organismus auf Verlust, Trennung und Abschied.
Sie verläuft individuell und ist kein linearer Vorgang mit klar abgrenzbarem Anfang und Ende, sondern „ein eher zyklisch verlaufendes Geschehen“ – so die klassische Definition des Trauerbegriffs von Freud (1916).

Andere Menschen haben keinen Einblick in mein Inneres und können nur schwer nachvollziehen, was mich bewegt und wie ich mich fühle.

Was mir von lieben Bekannten meiner Mutter immer wieder gesagt wurde:
„Es ist die Mutter – das ist eine besondere Beziehung.“
Ich selbst, die ich mich doch als recht gefestigt und – wie man heute so schön sagt – resilient betrachte, hätte nicht gedacht, dass es mich so stark erwischt – die TRAUER.
Denn ich hatte das vor vielen Jahren schon mit meinem Vater erlebt.

Der US-amerikanische Psychologe und Trauerforscher George A. Bonanno hat festgestellt,
dass jeder Mensch unterschiedlich lange für die Trauerbewältigung braucht.
Seinen Beobachtungen zufolge kann man Trauernde in vier Gruppen einteilen:

Gruppe 1:
Diesen Trauernden fällt es leicht, ihren Verlust zu verarbeiten. Schon nach relativ kurzer Zeit können sie zum Alltag zurückkehren.

Gruppe 2:
Trauernde in dieser Gruppe leiden deutlich stärker unter ihrem Verlust. Im Alltag können sie Schlaflosigkeit, Niedergeschlagenheit und Erschöpfung belasten. Manche Menschen aus dieser Gruppe werden vor Trauer auch krank.

Gruppe 3:
Hierzu zählen Trauernde mit einer verzögerten Belastungsreaktion. Sie scheinen ihren Verlust zunächst gut zu verkraften. Nach einiger Zeit entwickelt sich jedoch eine verspätete Trauer, die mehr oder weniger stark ausfallen kann.

Gruppe 4:
Trauernde aus dieser Gruppe können jahrelang unter ihrer Belastung leiden. Sie finden nicht mehr in den Alltag zurück und sind deutlich und dauerhaft eingeschränkt.
Hier kann es sinnvoll sein, professionelle Hilfe eines ausgebildeten Trauerbegleiters oder Therapeuten in Anspruch zu nehmen, um gesund zu bleiben und nicht in eine Depression zu verfallen.

Je nachdem, zu welcher Gruppe man zählt, macht man schnellere oder langsamere Fortschritte in der Trauerbewältigung.
Individuelle Trauerverläufe sind also ganz normal – mit allen Gefühlen und Emotionen, die dazugehören: Traurigkeit, Schmerz der Lücke, Erschöpfung, Leere („mir fehlte der Halt, der Mensch, der mein ganzes Leben immer für mich da war, ist jetzt weg“), ein Gefühl des Ausgelöscht-Seins, als sei ein Teil des eigenen Lebens plötzlich entfernt worden.

Weinen – oh, ich habe so viel geweint in diesem Jahr wie mein ganzes Leben zusammen nicht.
Ich habe meine Trauer wirklich nicht unterdrückt und meine Tränen zugelassen, auch wenn ich manchmal dachte: Wo kommen die denn alle her?
Mir hat es geholfen, den Schmerz herauszulassen, von dem ich nichts wusste.
Weinen befreit – wirklich!

💔 Trauer

In der Trauer lebt die Liebe ♡ weiter.
Die Trauer ist der Preis, den wir zahlen, wenn wir den Mut haben, andere zu lieben.

Als ich diese Aussage gelesen hatte, war das sehr hilfreich für mich!
Genau – ich habe so heftig getrauert, weil ich meine Mu(tter) so geliebt habe.
Diese starke Verbindung hatte ich unterschätzt. Doch jetzt war mir klar:

Es gibt keinen Grund, sich „zusammenzureißen“.
Es gibt keinen falschen Zeitpunkt zu trauern.
Es gibt überhaupt kein „Richtig“ oder „Falsch“.
Es ist mein Schmerz. Es ist meine Trauer.
Ich habe ihr wirklich Raum gegeben.

Jeder, der das Sterben eines nahen Menschen erlebt hat, weiß,
dass der Tod ein Portal zur Liebe ist.

Trauer kommt in Wellen

Diese Wellen verursachen Stress im Körper und verbrauchen viel Energie, um dich durch diese Situation zu tragen. Der ständige Wechsel zwischen Schmerz und Hoffnung kann sehr belastend sein – aber er bietet deinem Körper und deiner Psyche auch die dringend notwendige Gelegenheit zur Regeneration.

(Hier kommst du zu diesem Blogbeitrag „Trauer in Wellen)

Trauer kreativ gestalten

Positive Gefühle sind ein wichtiger Teil unserer Trauerbewältigung –
sie helfen uns, nach einem Verlust zurück ins Leben zu finden.

Schreiben als Therapie

Sich etwas Gutes tun – mir hat das Schreiben gutgetan.
Es hat mich zur Ruhe gebracht, ich war abgelenkt und konnte mich aus der Trauer „herausbeamen“.
Das war heilend für mich. Diese krasse Traurigkeit konnte ich so in positive Energie umwandeln.
Mein langjähriges Buchprojekt habe ich in der Trauerphase nach dem Tod meiner Mutter beendet –
mein Buch WOHLFÜHLOGIE – Oder (m)eine Wissenschaft des Wohlfühlens, in dem ich sie natürlich erwähnt habe.

  • Reflexionsfrage: Wenn deine Trauer eine Form und Farbe hätte – wie würdest du sie beschreiben?

Ist sie dunkel oder hell, einfarbig, hat sie einen zackigen Rand oder fühlt sie sich an wie ein alles aufsaugender Schwamm?
Sieht deine Trauer aus wie ein Tier, wie eine glitzernde Träne oder wie ein Eisberg in der Nacht?

Du kannst deinen Schmerz kreativ gestalten.
Egal, ob du ihn malst, zeichnest, modellierst oder mit Knetmasse formst – kreative Beschäftigung hilft vielen Trauernden, sich mit ihrem Verlust auseinanderzusetzen.
Bei mir war es das Schreiben. Und wie du siehst, ist meine Trauerarbeit noch nicht abgeschlossen – denn es ist erst einige Monate her.

„Mu, ich vermisse dich 🖤 Das erste Weihnachten ohne dich …“

🌅 Trauer ist kein Ende,

sondern eine Fortsetzung in anderer Form.

Von ♡ zu ♡
Deine Tine Sonnengold

P.S.: Freue mich über deine Gedanken, zu diesem wie ich finde wichtigem Thema was auch zur WOHLFÜHLOGIE gehört, schreib mir doch ein Kommentar.

Loslassen & Neubeginn – Innere Transformation im Rhythmus der Natur

Wenn kleine Wesen große Gefühle auslösen

Heute Morgen huschte ein kleines rostbraunes Eichhörnchen über meinen Weg – flink, lebendig, voller Tatendrang. Und zack! Da war sie wieder, diese Welle.
Nicht aus Tränen, sondern aus Erinnerungen. 

Meine Mutter liebte Eichhörnchen. Auf ihrem Bett saßen sie als Stofftiere, und ihr erstes Auto – ein alter VW Käfer – trug ein Steiff-Eichhörnchen-Anhänger am Rückspiegel.
Ein Glücksbringer, der sie viele Jahre begleitet hat, unfallfrei.

Schon zu ihren Lebzeiten musste ich bei jedem Eichhörnchen an sie denken, aber jetzt ist es anders. Heute spüre ich, wie sie in jedem kleinen pelzigen Wesen weiterlebt – als würde sie mir zuwinken und sagen: „Hey, ich bin da. Mach dir keine Sorgen.“

Ein schöner Moment des Innehaltens. Kein Weinen mehr, nur ein warmes Lächeln.

Trauern ist ein Prozess mit vielen Höhen und Tiefen. Mal ist es schwer und dann gibt es wieder so spezielle Momente wie der heute Morgen, obwohl es doch nur ein Eichhörnchen war.

Von Rübensaft und Rührung

Vor ein paar Wochen war das noch anders. Da reichte schon ein Becher Rübensaft, um mich aus der Fassung zu bringen.

Sie liebte diesen süßen Aufstrich, der sie an ihre Kindheit erinnerte. Ich sehe sie förmlich vor mir – die kleine Ingrid, wie sie nach dem Spielen hungrig in die Küche läuft, sich ein Brot mit Rübensaft schmiert und fröhlich lacht.

Diese Bilder tun weh und gleichzeitig gut.
Trauer ist eben ein seltsamer Begleiter: Sie bringt Tränen, aber auch Lächeln. Und manchmal beides zugleich.

Die Wellen der Trauer – und das Meer in uns

Der US-Psychologe George A. Bonanno beschreibt, dass Trauer wie das Meer ist:
Manchmal ruhig und klar, dann wieder aufgewühlt. Die Wellen kommen – und gehen. Zwischen den Wellen gibt es immer wieder Phasen der Ruhe, in denen Heilung geschieht.

Ich empfinde das genauso. Anfangs war jede Welle ein Tsunami, doch mit der Zeit werden sie sanfter.

Manchmal kommt eine große, dunkle Welle, die dich mitreißt, dann folgt wieder eine ruhige Phase, in der du atmen kannst. Und mit jeder Welle wird der Abstand etwas größer.

Der Schmerz verändert sich, er wird tragbar.
Er verliert an Schärfe, die Liebe bleibt.

Ich finde dieses Bild so tröstlich:
„Du bist nicht die Welle. Du bist das Meer. Die Form vergeht, das Wesen bleibt.“ 
– Ramana Maharshi (frei zitiert)“
Auszug aus Realitäts Reset – Bewusstsein Reloaded von Ben J. Kress

Die Wellen kommen und gehen, aber das Meer – das, was uns wirklich ausmacht – bleibt ruhig und tief. 

Deine Welle der Erinnerung

Wie ist das bei dir?
Kennst du auch diese Wellen, die manchmal ganz plötzlich auftauchen?
Beim Duft von frisch gebackenem Brot, beim Lieblingslied eines geliebten Menschen oder wenn ein Ort dich zurückversetzt in „Damals“?

Frage an dich: Wie gehst du mit deiner Trauer um?

Vielleicht hilft es dir, diese Wellen nicht zu bekämpfen, sondern dich sanft von ihnen tragen zu lassen. Denn Trauer will nicht weggedrückt werden – sie will bewegt werden.

Trauer darf leicht werden

Mit der Zeit lernt man, auf den Wellen zu reiten, statt unterzugehen.
Und irgendwann merkst du: Sie tragen dich – nicht mehr fort, sondern weiter.

Heute hat mir ein kleines Eichhörnchen das gezeigt. 🐿️
Danke, Mama.

Kintsugi – Die Kunst, aus Zerbrochenem Gold zu machen

Zerbrochen – und trotzdem schön

In Japan gibt es eine Philosophie, die mich tief berührt: Kintsugi (japanisch 金継ぎ)
Dabei werden zerbrochene Keramikstücke mit Gold repariert – die Bruchstellen werden nicht versteckt, sondern vergoldet.
Das Ergebnis: Ein neues, einzigartiges Kunstwerk, das seine Geschichte stolz trägt.

Was für eine wunderschöne Metapher für das Leben – und für Trauer.

Auch ich fühle mich manchmal wie ein zerbrochenes Gefäß.
Aber gerade die Risse sind es, die mir zeigen, wo das Licht hereinkommt.

Die goldene Kunst des Heilens

Kintsugi heißt übersetzt „goldenes Zusammensetzen“ – und das braucht Zeit, Geduld und liebevolle Aufmerksamkeit.
So wie die Trauer.

Ich spüre, wie ich nach und nach alle Teile meines Herzens zusammensetze – mit Erinnerungen, Dankbarkeit und neuen Erkenntnissen – und sie mit Gold verklebe.
Das ist meine Art der Heilung. 

Vielleicht ist Kintsugi auch für dich ein schönes Bild:
Nicht alles, was zerbricht, ist verloren.
Manches wird durch den Bruch erst vollkommen.

Mir gefällt diese Sichtweise sehr. Aus diesem Grund erwähne ich Kintsugi. Diese alte Technik hebt die „Narben“ als Teile der neuen Gestalt bewusst hervor und lässt sie glänzen. Sie werden nicht kaschiert, sondern bewusst betont. Sie werden nicht verdrängt, sondern hervorgehoben.

So bin ich jetzt ein neues Gefäß mit neuem Bewusstsein. Wir gehen im Leben gestärkt aus Rissen und Brüchen hervor.

In meinem Buch Wohlfühlogie, (m)eine Wissenschaft des Wohlfühlens habe ich auch das Thema KINTSUGI aufgegriffen (S. 283). Dazu gibt es einiges zu wissen und es werden auch Workshops angeboten um diese Kunstform zu erlernen und zu erleben.

🍂 Wenn die Natur loslässt – Lernen vom Jahreskreis

Der Rhythmus des Lebens

Mit dem Herbst beginnt die Zeit des Loslassens.
Die Natur zieht sich zurück, sammelt ihre Kräfte und übergibt Altes vertrauensvoll dem Wandel. Blätter sinken zu Boden – leise, würdevoll, als wüssten sie: jedes Ende trägt bereits den Anfang in sich.

Auch wir dürfen von diesem Rhythmus lernen.
Es ist, als würde uns der Jahreskreis sanft zuflüstern:
„Halte nicht fest, was gehen möchte – vertraue darauf, dass Neues wachsen wird.“

So wie die Bäume ihre Blätter loslassen, dürfen auch wir alte Gedanken, Sorgen oder Rollen ablegen, die uns nicht mehr nähren. Denn erst, wenn wir leer werden, kann das Leben uns wieder neu füllen. 

Trauer folgt dem gleichen Rhythmus.
Loslassen, Ruhen, Neubeginn.
Es ist der Kreislauf von Leben und Tod – wie eine Drehtür zwischen den Welten.

In dieser Jahreszeit werde ich stiller zum Ende des Sommers -SAMHAIN feierten schon die Kelten, das uralte Ahnenfest in der Nacht vom 31. Oktober zum 1. November.

Ein Wendepunkt im Jahreskreis, an dem das Alte verabschiedet und das Neue begrüßt wird. Heute kennen wir diesen Tag als Halloween – doch seine ursprüngliche Bedeutung ist viel tiefer: Samhain war eine Nacht der Stille, des Dankens und des Erinnerns.

Die Menschen glaubten, dass in dieser Zeit die Schleier zwischen den Welten dünner werden – eine Einladung, mit den Ahnen in Verbindung zu treten, Frieden zu schließen oder einfach innezuhalten.

In der damaligen Vorstellung der Kelten starb ein Mensch nicht einfach und war verschwunden, vielmehr war der Tod ein Teil des natürlichen Zyklus. Er stellte nicht das Ende dar, sondern die Verstorbenen änderten lediglich ihre Form. Samhain war die Nacht, in der man sich mit den eigenen Ahnen verband, um Ungeklärtes aus der Welt zu schaffen, sich auszusöhnen und um Unterstützung zu bitten.

Laut Andreas Hofeneder, Professor der Keltologie an der Universität Greifswald, hatten die Kelten aber auch Angst vor verirrten Seelen und sogenannten Wiedergängern. Sie versuchten diese mit Opfergaben zu besänftigen – Erntedank kennen wir heute noch.

Wir können am 31. Oktober in die spirituelle Bedeutung von Samhain eintauchen. Ich denke, es ist immer hilfreich, sich mit dem eigenen zyklischen Dasein zu verbinden. Wir existieren nie losgelöst von unserer Umwelt und den natürlichen Rhythmen, auch wenn wir das manchmal vergessen. Wahrscheinlich brauchen die meisten von uns in der dunklen Jahreszeit mehr Schlaf, Ruhe und Zeit für uns, während wir im Sommer mehr nach außen gerichtete Energie haben, gerne unter Leuten sind und spontaner in den Tag hinein leben. Und das ist okay so!

Wir dürfen uns jetzt mehr auf uns selbst konzentrieren und neue Ideen, Ziele und Wünsche ausbrüten, bevor sie dann das Licht der Welt erblicken. Der sogenannte Jahresendsport, dazu habe ich einen Blogbeitrag geschrieben To-Want Liste.

Dieses Jahr werde ich die Qualität von Samhain besonders für mich nutzen um beim traditionellen Grünkohlessen an meine liebe Mu(tter) denken.

Vielleicht magst du ja auch ein Familienrezept kochen oder Fotos von Verstorbenen, die dir nahe standen bei dir Zuhause aufstellen?!

Um geboren zu werden, benötigtest du:

2 Eltern

4 Großeltern

8 Urgroßeltern

16 Ururgroßeltern

32 Urururgroßeltern

64 Ururururgroßeltern

128 Urururururgroßeltern

256 Ururururururgroßeltern

512 Urururururururgroßeltern

1,024 Ururururururururgroßeltern

2.048 Urururururururururgroßeltern

SELBSTREFLEXION

Was darf in deinem Leben sterben, damit etwas neues geboren werden kann?

Vielleicht spürst du in dieser Jahreszeit auch das Bedürfnis, nach innen zu gehen.
Ein Licht anzuzünden.
Ein Familienrezept zu kochen.
Oder Fotos deiner Liebsten aufzustellen – als stilles „Danke“ für alles, was war und was dich geprägt hat. 

„Neubeginn aus dem Vergangenen“ 

Zum Abschluß habe ich noch ein wie ich finde wunderschönes Gedicht zu dem Thema:

Die Jahreszeiten unseres Lebens…
„Mutter Natur lebt es uns  immer wieder in ihren  Zyklen vor… 
Jede Jahreszeit liegt als  energetischer Fingerabdruck  in uns… 
weil wir ein Teil  von ihr sind…
Auch wir unterliegen diesen  Rhythmus des immer wieder Werden und Vergehen… 
Jedes Jahr aufs neue… 
wir sollten uns mehr an den Jahreszeiten orientieren… 
Uns immer wieder mit ihr verbinden und zum stillen Beobachter werden… 
Was jetzt gerade um uns in der Natur geschieht ist genau jenes was in uns selbst geschieht…
Sei wie der Baum der nun seine Blätter (das Alte) abwirft… 
Dadurch werden seine Äste sichtbar… 
Man sieht wie und was über das Jahr „gewachsen“ ist. 
Die Herbststürme prüfen seine Stärke und das was nicht mehr „haltbar“ ist bricht und stirbt nun ab… sodass sich die Energie „neu“ konzentrieren und sammeln kann… 
Die Lebens-Energie kehrt nun zurück in ihre Wurzeln… 
Zurück zu Ihren Ursprung…
Besinnung nach innen… 
innere Einkehr… reflektieren… 
nach-fühlen… loslassen… 
Ab-sterben-los-lassen…
Fortschritte und Wachstum werden sichtbar… 
Das Außen kehrt nun zurück in das Innere…
Zurück in den tiefen heilenden Schlaf…
Um sich zu regenerieren, neu zu sortieren, sich zu konzentrieren, um zu verarbeiten, um mit sich selbst zu sein…
All das geschieht gerade auch in uns…
Vertraue auf diesen immer wiederkehrenden Wandel und begleite dich selbst durch die  Jahreszeiten deines Lebens…
Du BIST… all das was du im Außen siehst…“

aus den Büchern von Markus Everdiking (Heilende Texte)

Der Kreislauf des Lebens – immer in Bewegung

Lebenszyklen sind kein Zufall, sie sind unser natürlicher Rhythmus.
Mal sind wir in der Phase des Aufblühens, mal im Rückzug, mal mitten im Chaos des Wandels.
Alles gehört dazu.

Wenn du also das nächste Mal das Gefühl hast, du „funktionierst nicht“ – atme tief durch und erinnere dich:
🌊 Du bist nicht die Welle. Du bist das Meer.

Das Meer verändert sich ständig – und bleibt doch immer es selbst.

Transformation mit einem Augenzwinkern

Manchmal braucht der Wandel ein bisschen Humor.
Denn das Leben nimmt uns oft erst dann ernst, wenn wir anfangen, über uns selbst zu lächeln.
Jede Krise, jeder Umbruch und jeder kleine Tod trägt einen Samen in sich – und dieser Samen heißt Neubeginn.

Also: Sei geduldig mit dir, liebevoll mit deinen Prozessen und großzügig mit deinem inneren Frühling. 🌷

Von ♡ zu ♡

Deine

Tine Sonnengold

Trauer in Wellen 

Wenn kleine Wesen große Gefühle auslösen

Heute Morgen huschte ein kleines rostbraunes Eichhörnchen über meinen Weg – flink, lebendig, voller Tatendrang. Und zack! Da war sie wieder, diese Welle.
Nicht aus Tränen, sondern aus Erinnerungen. 

Meine Mutter liebte Eichhörnchen. Auf ihrem Bett saßen sie als Stofftiere, und ihr erstes Auto – ein alter VW Käfer – trug ein Steiff-Eichhörnchen-Anhänger am Rückspiegel.
Ein Glücksbringer, der sie viele Jahre begleitet hat, unfallfrei.

Schon zu ihren Lebzeiten musste ich bei jedem Eichhörnchen an sie denken, aber jetzt ist es anders. Heute spüre ich, wie sie in jedem kleinen pelzigen Wesen weiterlebt – als würde sie mir zuwinken und sagen: „Hey, ich bin da. Mach dir keine Sorgen.“

Ein schöner Moment des Innehaltens. Kein Weinen mehr, nur ein warmes Lächeln.

Trauern ist ein Prozess mit vielen Höhen und Tiefen. Mal ist es schwer und dann gibt es wieder so spezielle Momente wie der heute Morgen, obwohl es doch nur ein Eichhörnchen war.

Von Rübensaft und Rührung

Vor ein paar Wochen war das noch anders. Da reichte schon ein Becher Rübensaft, um mich aus der Fassung zu bringen.

Sie liebte diesen süßen Aufstrich, der sie an ihre Kindheit erinnerte. Ich sehe sie förmlich vor mir – die kleine Ingrid, wie sie nach dem Spielen hungrig in die Küche läuft, sich ein Brot mit Rübensaft schmiert und fröhlich lacht.

Diese Bilder tun weh und gleichzeitig gut.
Trauer ist eben ein seltsamer Begleiter: Sie bringt Tränen, aber auch Lächeln. Und manchmal beides zugleich.

Die Wellen der Trauer – und das Meer in uns

Der US-Psychologe George A. Bonanno beschreibt, dass Trauer wie das Meer ist:
Manchmal ruhig und klar, dann wieder aufgewühlt. Die Wellen kommen – und gehen. Zwischen den Wellen gibt es immer wieder Phasen der Ruhe, in denen Heilung geschieht.

Ich empfinde das genauso. Anfangs war jede Welle ein Tsunami, doch mit der Zeit werden sie sanfter.

Manchmal kommt eine große, dunkle Welle, die dich mitreißt, dann folgt wieder eine ruhige Phase, in der du atmen kannst. Und mit jeder Welle wird der Abstand etwas größer.

Der Schmerz verändert sich, er wird tragbar.
Er verliert an Schärfe, die Liebe bleibt.

Ich finde dieses Bild so tröstlich:
„Du bist nicht die Welle. Du bist das Meer. Die Form vergeht, das Wesen bleibt.“ 
– Ramana Maharshi (frei zitiert)“
Auszug aus Realitäts Reset – Bewusstsein Reloaded von Ben J. Kress

Die Wellen kommen und gehen, aber das Meer – das, was uns wirklich ausmacht – bleibt ruhig und tief. 

Deine Welle der Erinnerung

Wie ist das bei dir?
Kennst du auch diese Wellen, die manchmal ganz plötzlich auftauchen?
Beim Duft von frisch gebackenem Brot, beim Lieblingslied eines geliebten Menschen oder wenn ein Ort dich zurückversetzt in „Damals“?

Frage an dich: Wie gehst du mit deiner Trauer um?

Vielleicht hilft es dir, diese Wellen nicht zu bekämpfen, sondern dich sanft von ihnen tragen zu lassen. Denn Trauer will nicht weggedrückt werden – sie will bewegt werden.

Trauer darf leicht werden

Mit der Zeit lernt man, auf den Wellen zu reiten, statt unterzugehen.
Und irgendwann merkst du: Sie tragen dich – nicht mehr fort, sondern weiter.

Heute hat mir ein kleines Eichhörnchen das gezeigt. 🐿️
Danke, Mama.

Kintsugi – Die Kunst, aus Zerbrochenem Gold zu machen

Zerbrochen – und trotzdem schön

In Japan gibt es eine Philosophie, die mich tief berührt: Kintsugi (japanisch 金継ぎ)
Dabei werden zerbrochene Keramikstücke mit Gold repariert – die Bruchstellen werden nicht versteckt, sondern vergoldet.
Das Ergebnis: Ein neues, einzigartiges Kunstwerk, das seine Geschichte stolz trägt.

Was für eine wunderschöne Metapher für das Leben – und für Trauer.

Auch ich fühle mich manchmal wie ein zerbrochenes Gefäß.
Aber gerade die Risse sind es, die mir zeigen, wo das Licht hereinkommt.

Die goldene Kunst des Heilens

Kintsugi heißt übersetzt „goldenes Zusammensetzen“ – und das braucht Zeit, Geduld und liebevolle Aufmerksamkeit.
So wie die Trauer.

Ich spüre, wie ich nach und nach alle Teile meines Herzens zusammensetze – mit Erinnerungen, Dankbarkeit und neuen Erkenntnissen – und sie mit Gold verklebe.
Das ist meine Art der Heilung. 

Vielleicht ist Kintsugi auch für dich ein schönes Bild:
Nicht alles, was zerbricht, ist verloren.
Manches wird durch den Bruch erst vollkommen.

Mir gefällt diese Sichtweise sehr. Aus diesem Grund erwähne ich Kintsugi. Diese alte Technik hebt die „Narben“ als Teile der neuen Gestalt bewusst hervor und lässt sie glänzen. Sie werden nicht kaschiert, sondern bewusst betont. Sie werden nicht verdrängt, sondern hervorgehoben.

So bin ich jetzt ein neues Gefäß mit neuem Bewusstsein. Wir gehen im Leben gestärkt aus Rissen und Brüchen hervor.

In meinem Buch Wohlfühlogie, (m)eine Wissenschaft des Wohlfühlens habe ich auch das Thema KINTSUGI aufgegriffen (S. 283). Dazu gibt es einiges zu wissen und es werden auch Workshops angeboten um diese Kunstform zu erlernen und zu erleben.

🍂 Wenn die Natur loslässt – Lernen vom Jahreskreis

Der Rhythmus des Lebens

Mit dem Herbst beginnt die Zeit des Loslassens.
Die Natur zieht sich zurück, sammelt ihre Kräfte und übergibt Altes vertrauensvoll dem Wandel. Blätter sinken zu Boden – leise, würdevoll, als wüssten sie: jedes Ende trägt bereits den Anfang in sich.

Auch wir dürfen von diesem Rhythmus lernen.
Es ist, als würde uns der Jahreskreis sanft zuflüstern:
„Halte nicht fest, was gehen möchte – vertraue darauf, dass Neues wachsen wird.“

So wie die Bäume ihre Blätter loslassen, dürfen auch wir alte Gedanken, Sorgen oder Rollen ablegen, die uns nicht mehr nähren. Denn erst, wenn wir leer werden, kann das Leben uns wieder neu füllen. 

Trauer folgt dem gleichen Rhythmus.
Loslassen, Ruhen, Neubeginn.
Es ist der Kreislauf von Leben und Tod – wie eine Drehtür zwischen den Welten.

In dieser Jahreszeit werde ich stiller zum Ende des Sommers -SAMHAIN feierten schon die Kelten, das uralte Ahnenfest in der Nacht vom 31. Oktober zum 1. November.

Ein Wendepunkt im Jahreskreis, an dem das Alte verabschiedet und das Neue begrüßt wird. Heute kennen wir diesen Tag als Halloween – doch seine ursprüngliche Bedeutung ist viel tiefer: Samhain war eine Nacht der Stille, des Dankens und des Erinnerns.

Die Menschen glaubten, dass in dieser Zeit die Schleier zwischen den Welten dünner werden – eine Einladung, mit den Ahnen in Verbindung zu treten, Frieden zu schließen oder einfach innezuhalten.

In der damaligen Vorstellung der Kelten starb ein Mensch nicht einfach und war verschwunden, vielmehr war der Tod ein Teil des natürlichen Zyklus. Er stellte nicht das Ende dar, sondern die Verstorbenen änderten lediglich ihre Form. Samhain war die Nacht, in der man sich mit den eigenen Ahnen verband, um Ungeklärtes aus der Welt zu schaffen, sich auszusöhnen und um Unterstützung zu bitten.

Laut Andreas Hofeneder, Professor der Keltologie an der Universität Greifswald, hatten die Kelten aber auch Angst vor verirrten Seelen und sogenannten Wiedergängern. Sie versuchten diese mit Opfergaben zu besänftigen – Erntedank kennen wir heute noch.

Wir können am 31. Oktober in die spirituelle Bedeutung von Samhain eintauchen. Ich denke, es ist immer hilfreich, sich mit dem eigenen zyklischen Dasein zu verbinden. Wir existieren nie losgelöst von unserer Umwelt und den natürlichen Rhythmen, auch wenn wir das manchmal vergessen. Wahrscheinlich brauchen die meisten von uns in der dunklen Jahreszeit mehr Schlaf, Ruhe und Zeit für uns, während wir im Sommer mehr nach außen gerichtete Energie haben, gerne unter Leuten sind und spontaner in den Tag hinein leben. Und das ist okay so!

Wir dürfen uns jetzt mehr auf uns selbst konzentrieren und neue Ideen, Ziele und Wünsche ausbrüten, bevor sie dann das Licht der Welt erblicken. Der sogenannte Jahresendsport, dazu habe ich einen Blogbeitrag geschrieben To-Want Liste.

Dieses Jahr werde ich die Qualität von Samhain besonders für mich nutzen um beim traditionellen Grünkohlessen an meine liebe Mu(tter) denken.

Vielleicht magst du ja auch ein Familienrezept kochen oder Fotos von Verstorbenen, die dir nahe standen bei dir Zuhause aufstellen?!

Um geboren zu werden, benötigtest du:

2 Eltern

4 Großeltern

8 Urgroßeltern

16 Ururgroßeltern

32 Urururgroßeltern

64 Ururururgroßeltern

128 Urururururgroßeltern

256 Ururururururgroßeltern

512 Urururururururgroßeltern

1,024 Ururururururururgroßeltern

2.048 Urururururururururgroßeltern

SELBSTREFLEXION

Was darf in deinem Leben sterben, damit etwas neues geboren werden kann?

Vielleicht spürst du in dieser Jahreszeit auch das Bedürfnis, nach innen zu gehen.
Ein Licht anzuzünden.
Ein Familienrezept zu kochen.
Oder Fotos deiner Liebsten aufzustellen – als stilles „Danke“ für alles, was war und was dich geprägt hat. 

„Neubeginn aus dem Vergangenen“ 

Zum Abschluß habe ich noch ein wie ich finde wunderschönes Gedicht zu dem Thema: 

Die Jahreszeiten unseres Lebens…

„Mutter Natur lebt es uns  immer wieder in ihren  Zyklen vor… 
Jede Jahreszeit liegt als  energetischer Fingerabdruck  in uns… 
weil wir ein Teil  von ihr sind…
Auch wir unterliegen diesen  Rhythmus des immer wieder Werden und Vergehen… 
Jedes Jahr aufs neue… 
wir sollten uns mehr an den Jahreszeiten orientieren… 
Uns immer wieder mit ihr verbinden und zum stillen Beobachter werden… 
Was jetzt gerade um uns in der Natur geschieht ist genau jenes was in uns selbst geschieht…
Sei wie der Baum der nun seine Blätter (das Alte) abwirft… 
Dadurch werden seine Äste sichtbar… 
Man sieht wie und was über das Jahr „gewachsen“ ist. 
Die Herbststürme prüfen seine Stärke und das was nicht mehr „haltbar“ ist bricht und stirbt nun ab… sodass sich die Energie „neu“ konzentrieren und sammeln kann… 
Die Lebens-Energie kehrt nun zurück in ihre Wurzeln… 
Zurück zu Ihren Ursprung…
Besinnung nach innen… 
innere Einkehr… reflektieren… 
nach-fühlen… loslassen… 
Ab-sterben-los-lassen…
Fortschritte und Wachstum werden sichtbar… 
Das Außen kehrt nun zurück in das Innere…
Zurück in den tiefen heilenden Schlaf…
Um sich zu regenerieren, neu zu sortieren, sich zu konzentrieren, um zu verarbeiten, um mit sich selbst zu sein…
All das geschieht gerade auch in uns…
Vertraue auf diesen immer wiederkehrenden Wandel und begleite dich selbst durch die  Jahreszeiten deines Lebens…
Du BIST… all das was du im Außen siehst…“

aus den Büchern von Markus Everdiking (Heilende Texte)

Der Kreislauf des Lebens – immer in Bewegung

Lebenszyklen sind kein Zufall, sie sind unser natürlicher Rhythmus.
Mal sind wir in der Phase des Aufblühens, mal im Rückzug, mal mitten im Chaos des Wandels.
Alles gehört dazu.

Wenn du also das nächste Mal das Gefühl hast, du „funktionierst nicht“ – atme tief durch und erinnere dich:
🌊 Du bist nicht die Welle. Du bist das Meer.

Das Meer verändert sich ständig – und bleibt doch immer es selbst.

Transformation mit einem Augenzwinkern

Manchmal braucht der Wandel ein bisschen Humor.
Denn das Leben nimmt uns oft erst dann ernst, wenn wir anfangen, über uns selbst zu lächeln.
Jede Krise, jeder Umbruch und jeder kleine Tod trägt einen Samen in sich – und dieser Samen heißt Neubeginn.

Also: Sei geduldig mit dir, liebevoll mit deinen Prozessen und großzügig mit deinem inneren Frühling. 🌷

Von ♡ zu ♡

Deine

Tine Sonnengold