Warum Beziehungen eine tragende Säule von Glück und Lebenszeit sind
Dieser Beitrag ist Teil der Blogserie „Verbundenheit als Gesundheitsfaktor“ und gehört zum Themenbereich „Humor, Glück & Positive Psychologie“, in dem ich zeige, wie Beziehung, Freude und innere Verbundenheit unser Wohlbefinden nachhaltig stärken.
Den Überblick über alle Teile der Serie findest du im Beitrag „Verbundenheit als Gesundheitsfaktor – Was die Positive Psychologie über Freundschaft, Gemeinschaft & Lebenszeit weiß“
Was Positive Psychologie eigentlich meint
Die Positive Psychologie ist kein Schönreden und kein Dauerlächeln. Sie ist ein wissenschaftlicher Ansatz, der sich mit den Bedingungen eines gelingenden Lebens beschäftigt. Mit inneren Ressourcen, mit Sinn, mit Lebensfreude – und mit der Frage, warum manche Menschen auch unter schwierigen Umständen stabil bleiben.
Von Beginn an zeigt sich dabei:
Glück ist nicht nur ein innerer Zustand.
Es ist ein Beziehungsphänomen.
Beziehungen als Grundpfeiler des Glücks
Besonders deutlich wird das im sogenannten PERMA-Modell, das fünf zentrale Elemente von Wohlbefinden beschreibt. Einer dieser Pfeiler steht für Relationships – Beziehungen. Nicht als Beiwerk. Nicht als Bonus. Sondern als tragende Säule.
Menschen brauchen Verbindung, um sich sicher, lebendig und zugehörig zu fühlen. Ohne dieses Gefühl wird selbst Erfolg leer, Freude flach und Sinn brüchig.
Das PERMA-Modell – einfach erklärt
- Positive Emotions
- Engagement
- Relationships
- Meaning
- Accomplishment
Das PERMA-Modell stammt aus der Positiven Psychologie von Martin Seligman
(der Typ, der sich gefragt hat: „Was macht Menschen wirklich glücklich – jenseits von Erfolg und Geld?“).
P E R M A Abkürzung für fünf zentrale Elemente der Theorie des Wohlbefindens hier noch mal kurz erklärt:
P – Positive Emotions (Positive Gefühle)
Freude, Dankbarkeit, Ruhe, Inspiration.
Diese Gefühle erweitern unseren Blick, stärken unser Immunsystem und machen uns resilienter.
Kurz: Was wir öfter fühlen, prägt unser Lebensgefühl.
E – Engagement (Aufgehen in einer Tätigkeit)
Dieses magische Gefühl von „Ich bin komplett im Flow“.
Zeit spielt keine Rolle, du bist ganz im Moment.
Engagement nährt Selbstvertrauen.
R – Relationships (Positive Beziehungen)
Wir sind soziale Wesen. Verbindung ist essenziell.
Zu wissen: „Da ist jemand, der mich sieht und versteht.“
Beziehungen sind der stärkste Wohlfühl-Booster – und DER Gesundheitsfaktor schlechthin..
M – Meaning (Sinn erleben)
Wofür mache ich das alles?
Sinn verleiht Orientierung und innere Stabilität, gerade in chaotischen Phasen.
Sinn trägt stärker als Motivation.
A – Accomplishment (Erfolg & Fortschritt erleben)
Ziele setzen. Schritte gehen. Dranbleiben.
Nicht Perfektion, sondern das Gefühl von Wachstum.
Fortschritt = Dopamin + Selbstwirksamkeit.
Warum PERMA so wertvoll für das Thema Freundschaft ist
Weil Freundschaft fast alle PERMA-Bausteine erfüllt:
- Sie erzeugt positive Emotionen
- Sie motiviert uns, aktiv zu werden
- Sie schenkt Beziehung & Zugehörigkeit
- Sie gibt Sinn
- Sie begleitet uns in unserem Wachstum
Kann man also sagen:
Freundschaft ist ein Wohlfühl-Multivitamin fürs Leben?
Absolut.
Wertschätzung, Anerkennung, Beziehung, Erfolg aktivieren den „Glückscocktail“ aus Dopamin, Opiaten und Oxytocin (Bauer, 2011).
Verlängern Beziehungen wirklich das Leben?
Ja. Studien der Positiven Psychologie und der Longevity-Forschung (Altersforschung) zeigen, dass stabile soziale Beziehungen nicht nur das subjektive Wohlbefinden erhöhen, sondern auch die Lebenserwartung positiv beeinflussen. Verbundenheit wirkt regulierend auf Stress, stärkt emotionale Sicherheit und unterstützt langfristig Gesundheit und Resilienz.
Warum Verbundenheit unser Wohlbefinden verstärkt
In echter Verbundenheit geschieht etwas Wesentliches: Unser Inneres findet Resonanz. Es entsteht ein Raum, in dem wir uns gesehen, gehört und gehalten fühlen.
Emotionale Sicherheit
Wenn wir uns sicher fühlen dürfen, beginnt unser System zu entspannen. Der Körper muss nicht mehr kämpfen. Nicht mehr beweisen. Nicht mehr funktionieren.
Emotionale Sicherheit entsteht dort, wo wir nicht bewertet, sondern verstanden werden. Wo wir uns zeigen dürfen – mit Stärke und mit Zweifel. Mit Klarheit und mit Unsicherheit.
Diese Sicherheit ist kein Luxus. Sie ist die Grundlage für inneres Gleichgewicht. In ihr sinkt das Stressniveau, unser Nervensystem reguliert sich leichter, und wir können wieder in Kontakt mit uns selbst kommen.
Sich sicher zu fühlen heißt: Ich darf hier sein. So wie ich bin.
Sinn, Zugehörigkeit und Resonanz
Verbundenheit schenkt uns mehr als Nähe. Sie schenkt uns Bedeutung.
Wenn wir Teil einer Gemeinschaft sind, wenn wir uns zugehörig fühlen, entsteht ein Gefühl von Sinn. Wir erleben uns nicht isoliert, sondern eingebettet. Unser Leben steht in Beziehung zu anderen.
Resonanz bedeutet: Ich werde innerlich beantwortet. Mein Gegenüber hört nicht nur meine Worte, sondern spürt meine Haltung. Und ich spüre seine.
In dieser wechselseitigen Wahrnehmung entsteht Lebendigkeit. Wir fühlen uns nicht allein in unseren Gedanken, nicht allein mit unseren Gefühlen. Zugehörigkeit ist deshalb kein oberflächliches Bedürfnis. Sie ist ein zutiefst menschliches.
Warum wir in Beziehung leichter wachsen
Entwicklung geschieht selten im luftleeren Raum. Sie geschieht im Spiegel. Im Austausch. Im ehrlichen Gegenüber.
In tragfähigen Beziehungen dürfen wir uns ausprobieren. Fehler machen. Neu denken. Wir bekommen Rückmeldung – nicht als Kritik, sondern als Einladung.
Wachstum braucht Mut. Und Mut wächst leichter dort, wo wir uns getragen fühlen.
Vielleicht ist das einer der unterschätzten Aspekte von Verbundenheit: Sie gibt uns den Boden, von dem aus wir springen können.
Wenn wir wissen, dass jemand hinter uns steht, trauen wir uns weiter.
Und genau deshalb verstärkt Verbundenheit unser Wohlbefinden. Nicht nur, weil sie uns glücklich macht. Sondern weil sie uns stabilisiert, ermutigt und innerlich aufrichtet.
Dieses Erleben wirkt regulierend auf unser Nervensystem, stärkt emotionale Sicherheit und schafft Vertrauen – in andere und in uns selbst.
Verbundenheit gibt Halt. Und aus diesem Halt entstehen Mut, Offenheit und Entwicklung. Wer sich getragen fühlt, traut sich weiter.
Die Broaden-and-Build-Theorie
Die Forscherin Barbara Fredrickson beschreibt diesen Prozess sehr anschaulich. Ihre Broaden-and-Build-Theorie als zentrale Säule der Positiven Psychologie zeigt: Positive Emotionen erweitern unseren inneren Handlungsspielraum. Wir denken weiter, fühlen offener, handeln kreativer.
Und genau diese positiven Emotionen entstehen besonders häufig in sozialen Beziehungen. Durch Lachen, Austausch, Nähe, geteilte Erfahrungen. Langfristig bauen sie innere Ressourcen auf – emotionale Stabilität, Resilienz und sogar körperliche Gesundheit.
Verbundenheit ist damit kein kurzfristiger Stimmungsaufheller, sondern ein langfristiger Aufbauprozess.
Soziale Beziehungen – ein Grundbedürfnis
Das Bedürfnis nach sozialer Eingebundenheit ist kein romantischer Luxus. Es ist tief in uns verankert. In der Selbstbestimmungstheorie der Motivation wird es als eines von drei psychischen Grundbedürfnissen des Menschen beschrieben.
Mit anderen Worten: Wir brauchen Beziehung, um uns ganz zu fühlen.
Neben dem Wunsch nach Autonomie und dem Erleben von Kompetenz gehört auch das Gefühl der Zugehörigkeit zu dem, was uns innerlich stabilisiert. Wir möchten verbunden sein. Wir möchten dazugehören. Wir möchten uns als Teil eines größeren Ganzen erleben.
Nicht aus Abhängigkeit. Sondern aus menschlicher Natur.
Wenn dieses Bedürfnis erfüllt ist, erleben wir mehr Motivation, mehr Lebendigkeit und mehr innere Balance. Fehlt es, entsteht ein leises Ungleichgewicht. Dann fehlt etwas, selbst wenn äußerlich alles in Ordnung scheint.
Verbundenheit ist deshalb kein „Extra“. Sie ist psychologische Nahrung.
Glück, Gemeinschaft und Lebenszeit
Langzeitstudien der Longevity-Forschung zeigen: Menschen, die sich eingebunden fühlen, altern gesünder. Sie erleben weniger chronischen Stress, mehr Lebenszufriedenheit und eine höhere emotionale Stabilität. Glück, verstanden als gelingende Beziehung zum Leben und zu anderen, wirkt wie ein Puffer gegen Belastungen.
Nicht das isolierte Glücksgefühl verlängert das Leben. Sondern das Eingebundensein.
Warum soziale Einbindung sogar messbar die Lebenserwartung erhöht, habe ich im Beitrag: „Warum Sozialkontakte die Lebenserwartung erhöhen – was die Forschung zeigt“ ausführlich dargestellt.
Wohlfühlogie-Übersetzung
Aus wohlfühlogischer Sicht ist Glück kein individuelles Optimierungsziel. Es ist ein Resonanzraum. Wer gut verbunden ist, lebt nicht nur angenehmer – sondern stabiler. Verbundenheit wirkt wie ein stiller Schutzfaktor, der uns durch Höhen und Tiefen trägt.
Dass Freundschaft zu den stärksten Glücksquellen überhaupt gehört, zeige ich übrigens auch in meinem Beitrag „12 Glücksfaktoren für dein Glücklichsein“.
✻ Wohlfühlogie-Reflexion
Bei welchen Menschen fühlst du dich lebendiger, weiter und mehr bei dir selbst?
Von ♡ zu ♡
Deine Tine Sonnengold
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