Wenn Natur unbequem wird – warum das heilsam ist

12 Minuten Lesezeit

Naturtherapie, Kälte, Rückzug & Reizreduktion für ein starkes Nervensystem

Es gibt Momente in der Natur, da ist nichts weich.
Kein sanfter Sonnenstrahl, kein laues Lüftchen, kein Postkartenblick.
Stattdessen: Kälte, Wind, Nässe. Vielleicht ein Weg, der matschiger ist als geplant. Vielleicht ein Himmel, der sich verschließt.

Und genau dann passiert etwas Entscheidendes.

Die Natur hört auf Kulisse zu sein, sondern wird ein Gegenüber.

Wenn es unbequem wird, kann der Mensch sich nicht mehr wegdenken. Der Körper ist plötzlich da. Der Atem wird spürbar. Die Schritte bewusster. Gedanken werden kürzer, klarer. Nicht, weil alles angenehm ist – sondern weil es echt ist.

Unbequeme Natur konfrontiert uns, ohne uns zu verletzen.
Sie fragt nicht nach Durchhalteparolen.
Sie bewertet nicht.
Sie ist einfach da – in ihrer Klarheit.

Und diese Klarheit wirkt. Wir sind im Hier & Jetzt, bum.

Der Wind, der durch den Körper fährt, ordnet das Nervensystem.
Die Kälte schärft die Wahrnehmung.
Der unebene Boden zwingt zur Aufmerksamkeit.

Was vorher diffus war, bekommt Konturen.
Was laut im Kopf war, wird leiser.

Viele Menschen berichten genau nach solchen Momenten von etwas Unerwartetem: innerer Ruhe. Erdung. Dem Gefühl, wieder bei sich angekommen zu sein. Nicht trotz der Unbequemlichkeit – sondern wegen ihr.

Heilung, das zeigt uns die Natur, ist nicht immer sanft.
Manchmal ist sie wachmachend.
Manchmal fordert sie Anpassung statt Kontrolle.
Manchmal erinnert sie uns daran, dass wir mehr sind als Komfortwesen.

Wenn Natur unbequem wird, ruft sie etwas Uraltes in uns wach:
die Fähigkeit, mit dem Leben zu gehen – auch dann, wenn es nicht perfekt temperiert ist.

Und genau darin liegt ihre heilsame Kraft.

REFLEXIONSFRAGE: Wo in deinem Leben meidest du gerade das Unbequeme – und was könnte genau dort auf dich warten, wenn du bleibst, atmest und dich anpasst statt zurückzuziehen?

In meinem Buch habe ich eine Liebeserklärung an die NATUR geschrieben, ich möchte sie gerne mit dir teilen.


+++ Auszug aus WOHLFÜHLOGIE-Oder (m)eine Wissenschaft des Wohlfühlens +++

Blick vom Ufer auf einen See im Sommer

Meine ganz persönliche Liebeserklärung
 an die Natur
 

Als Kind war das mit der Natur für mich ganz selbstverständlich – die unvergleichlichen Sommerdüfte von Wiesen, das zirpende Konzert der Grillen im Gras, die kühle Erfrischung am Bach, der Staub auf den Schuhen nach einem ausgedehnten Spaziergang durchs Kornfeld und natürlich das Pflücken von bunten Blumen für die Omi auf dem Heimweg. Ach, diese kleinen Glücksmomente im Grünen! 

Doch dann, über die Jahre, wurde das Naturerlebnis oft zum flüchtigen „Vorbeiflitzen“ – durch die Scheibe eines Autos, in einer Stadt, in der Jahreszeiten nur noch blass und gedämpft anklingen. Die satten Rapsfelder und der intensive Duft der Natur fehlten, und grüne Oasen waren oft nur noch Parks, die man schnell mal besucht, wenn Zeit bleibt. 

Jetzt, viele Jahre später, weiß ich umso mehr, wie wertvoll diese echte Natur ist – besonders der Wald, der für mich zum Zufluchtsort geworden ist. Ein Kraftort, an dem ich nicht denken muss, sondern einfach sein darf – hier und jetzt, ohne Schnickschnack. 

Mein inneres Navi ruft ganz laut: „RAUSZEIT! Ab ins Grüne!“ 

Denn in der Natur ist alles einfach. Zeitlos. Vollkommen in Harmonie – mit sich selbst und allem, was lebt. 

Und mal ehrlich: Grün ist nicht nur die Farbe der Natur, es ist auch die Farbe, die meine Seele atmen lässt. Nichts vitalisiert und beruhigt mich so sehr wie das satte Grün der Bäume, das im Frühling wieder erwacht und alles frisch erstrahlen lässt. Man sagt, Grüntöne können bei Kummer, Ärger oder Liebeskummer helfen. Ich glaube, sie schenken uns vor allem eins: Ruhe und Kreativität. 

Bei mir wirkt es auf jeden Fall – mit einer ganzen Palette positiver Nebenwirkungen. 

Leider leben die meisten von uns nicht mehr in der Natur, sondern besuchen sie nur noch sporadisch. Und oft dann, wenn alle anderen auch wollen: am Wochenende, in überfüllten Zügen oder stundenlangem Stau. Großstädter kennen das Spiel nur zu gut. 

Ich nenne das gern „City-Detox“ – das kleine Fluchtprogramm aufs Land. 

Umso dankbarer bin ich, dass ich als Selbständige die Freiheit habe, mein Leben so zu gestalten, dass ich die Natur dann besuchen kann, wenn mein Herz danach schreit. Diese Freiheit, in den Wald zu gehen, wann ich will, ist für mich unbezahlbar. 

Übrigens: Vom Menschen gestaltete „Natur“ ist nicht dasselbe wie das Eintauchen in einen ursprünglichen Buchen- und Eichenwald. Da draußen herrschen Kräfte, die tiefer wirken, die ganz anders spürbar sind. 

Und ganz ehrlich: Ich glaube, ich musste erst wieder lernen, mich selbst zu lieben, bevor ich die Liebe zur Natur wiederfinden konnte. Als Kind waren sie eins – meine wahre innere Natur und die Natur draußen. Vielleicht war es sogar dasselbe: eine Einheit. 

Schönheit als Lebensgesetz der Natur 

Und was wir davon lernen dürfen

Denn schon als Kind hat mich die Schönheit der Natur magisch angezogen. Vielleicht ist es kein Zufall, dass ich Visagistin geworden bin – ich liebe es, die verborgene Schönheit in jedem Menschen zum Leuchten zu bringen. Denn mal ehrlich: Wir sind alle ein Teil dieses großen Naturwunders. Jeder von uns trägt seine eigene, einzigartige Schönheit in sich. 

Ein schlauer Mann aus Wolfenbüttel meiner Geburtsttadt, Gotthold Ephraim Lessing, hat das mal so auf den Punkt gebracht: 

„Wir sind alle Blätter an einem Baum, keins dem andern ähnlich, das eine symmetrisch, das andere nicht, und doch alle gleich wichtig dem Ganzen.“ 

Genau wie die Blätter tragen wir unsere ganz eigene Form und Farbe – und sind trotzdem ein Teil vom großen Ganzen, das wir Leben nennen. 

Die Natur lebt nach eigenen Regeln – da gibt’s ein Gesetz der Symmetrie und Muster, die sich im Kleinen wie im Großen wiederholen. Hast du schon mal eine Farnspirale betrachtet oder einen Tornado bewundert? Alles dreht sich im Kreis, alles fließt und wächst – mal langsam, mal wild, aber immer im Rhythmus. 

Und genau dieser Rhythmus, diese Geduld und Beständigkeit, das habe ich selbst erst lernen müssen. Nein, Instant-Lösungen gibt’s nicht – weder für einen Waldspaziergang noch fürs Leben. Hermann Hesse fasst es so schön zusammen: 

„Geduld ist das Schwerste und das Einzige, was zu lernen sich lohnt. Alle Natur, alles Wachstum, aller Friede, alles Gedeihen und Schöne in der Welt beruht auf Geduld, braucht Zeit, braucht Stille, braucht Vertrauen.“ 

Was mich fasziniert: In der Natur herrscht keine Ellenbogengesellschaft, kein ständiger Wettbewerb. Hier gibt’s kein: „Das hättest du aber besser machen können!“ Blumen und Bäume wachsen ganz entspannt nebeneinander, und doch erfüllen sie alle ihre Aufgabe. Wir dürfen hier einfach sein, im grünen Bereich – und das ganz ohne Urteil. 

In unserer schnelllebigen, konsumorientierten Welt sind wir oft genau das Gegenteil – Dauerbetrieb, Mehr-mehr-mehr, und viel zu selten echtes Innehalten. Die Natur hingegen zeigt uns, wie Vernetzung und Kooperation wirklich funktionieren – Pilze und Bäume zum Beispiel, die sich gegenseitig unterstützen, wie ein Team aus der großen Naturfamilie. 

Ich habe für mich entdeckt, wie wertvoll es ist, mich mit Gleichgesinnten zu verbinden und gemeinsam zu wachsen, statt in einer Ellenbogengesellschaft zu versinken. Und ich habe gelernt: Du bist der wichtigste Mensch in deinem Leben! Tu dir was Gutes, gönn dir Zeit in der Natur, spüre deine Mitte und finde deinen eigenen Heimathafen in dir selbst – und natürlich auch ein Zuhause, in dem du dich wohlfühlst. 

Wo möchte ich leben? Berlin liebe ich sehr, diese Stadt hat ihren ganz eigenen Puls und Charme. Aber ich merke, wie sehr ich die echte Natur brauche – die Wälder, Seen und weiten Horizonte Brandenburgs, die Ruhe abseits von Autos und Hochhäusern. Mein Seelenheil wartet eben doch draußen im Grünen. 

Leben ist Bewegung, ein Fluss, der sich ständig wandelt. Es gibt Zeiten für Ruhe, für Wachstum, für Abschied und Neubeginn. Wenn du dich für diesen Fluss öffnest, kannst du die unendliche Fülle des Lebens spüren – und deine eigenen Superkräfte aktivieren. 

Mein persönliches Heilmittel für die Seele? Frisches Grün tanken, mit allen Sinnen erleben, tief einatmen und loslassen.
Denn draußen in der Natur ist das Leben einfach – zeitlos, harmonisch, vollkommen. Ein Ort, an dem ich meine „Seelenmassage“ bekomme, egal ob es ein zweistündiger Waldspaziergang ist oder eine stille Pause am Fenster mit Blick auf ein Blatt, einen Vogel oder einen Käfer. 

Dabei sind es nicht nur die positiven Effekte auf Immunsystem und Körperfunktionen, die mich anziehen. Ich spüre, wie ich mich mit den Elementen Sonne, Wasser, Erde und Luft verbinde – und dabei Stück für Stück meine Superkräfte wecke. 

Und ja, ganz ehrlich: Ohne das Blau des Wassers, das sanfte Rauschen der Wellen, wäre das Glück für mich irgendwie nicht komplett. Die Kombination aus GRÜN & BLAU hat das größte Potential zum mentalen Training in der Natur. Es ist also die Vegetation in Verbindung mit Wasser, egal ob es ein Fluß, See oder das Meer ist. Es ist die Naturfaszination die uns mental stärkt mit einer regenerativen Aufmerksamkeit. 

+++ Ende des Auszugs +++

Wenn Natur unbequem wird 

Wir alle kennen auch die herausfordernde NATUR, wenn du auf dem Deich dich mit dem Rad gegen den Wind abstrampelst und du gefühlt gar nicht vorankommst. Nee, ohne E-Bike natürlich. Oder an der See die eiskalte peitschende steife Brise deine Gesichtshaut britzeln lässt. Doch genau in diesem Moment fühlen wir uns lebendig, nicht mehr weichgespült wie so oft in unserem komfortablen Leben. Meine Oma hat sich mit Regenwasser aus der Tonne im Garten die Haare gewaschen und meinte das macht die Haare besonders weich. Sie gehörte noch zu der Generation, die zur Toilette über den Hof mussten – bei Wind & Wetter. Ich kann mich nicht erinnern, das meine Oma mal eine Erkältung hatte. Für mich war sie wie ein Fels in der Brandung, sie hat nichts umgehauen. Immerhin wurde sie 100, das war ihr wichtig, denn dann kommt der Bürgermeister und überreicht einem eine Urkunde als Ehrenbürger.

Heute gibt es die – wie ich finde – tolle Bewegung des EISBADENS ausgelöst durch den Holländer Wim Hof, der auch Ice-Man genannt wird. Für ihn war die Kälte wie eine Freundin, die ihn aus seinem Verlust seiner Frau und einer innere Leere wieder zurück ins fühlende Leben brachte, um sich um seine damals 4 kleinen Kinder kümmern zu können. Er berichtet, dass die Kälte:

  • ihn sofort ins Hier und Jetzt brachte
  • die gedankliche Endlosschleife unterbrach
  • ihm wieder Körpergefühl gab

Depression ist oft nicht nur Traurigkeit –sie ist Abgeschnittensein vom eigenen Körper.

Die Kälte hat ihn genau dort erreicht.

Nicht die Kälte „heilt“.
Sondern die Rückverbindung.

Die Kältereize verbessern dein Immunsystem, erhöhen deine Stresstoleranz und verbessern die Schlafqualität um nur mal einige Benefits zu nennen. Es ist eine Ur-Medizin bekannt auch als Volksheilkunde. Die Überwindung lohnt sich also!

Kälte ist eine Form von radikaler Ehrlichkeit des Körpers.
Sie holt uns aus dem Denken, zurück ins Spüren.
Nicht um uns zu quälen – sondern um uns wieder lebendig zu machen.

Oder anders:

Wenn das Leben innerlich kalt geworden ist, kann äußere Kälte paradox warm machen.

Das Entscheidende ist nicht die Temperatur. Sondern die Haltung:

Ich gehe bewusst in etwas Unbequemes – und bleibe reguliert.

Mein MOTTO: Jetzt erst recht!

Wenn das Leben sagt nö geht nicht, nö du nicht, nope – ich hab‘s oft genug erlebt, sag ich mir immer wieder selbst: „Ok, jetzt erst recht!“ Um so mutiger bin ich, Aufgeben ist keine Option, das Leben ist ein großes Abenteurer und ich hab Bock auf Leben. 

Alles was mich zu stoppen scheint macht mich wacher, klarer, lebendiger und vielleicht auch manchmal rücksichtsloser & frecher.

Die Umstände können mich nicht mehr bremsen, weil ich mich nicht mehr bremsen lasse. Punkt.

Ich bin und bleibe, egal was kommt, immer noch interessiert am Leben.

Ich mag es, wenn das Leben summt & vibriert! 

3-Fragen-Mini-Reflexion für DICH

Wenn es unbequem wird

  1. Was genau empfinde ich als „unbequem“ – körperlich, emotional oder gedanklich?
    (Kälte, Widerstand, Unsicherheit, Kontrollverlust, Stille … was zeigt sich gerade wirklich?)
  2. Wie reagiere ich normalerweise auf Unbequemlichkeit – und was würde sich verändern, wenn ich einen Moment länger bleibe?
    (Rückzug, Kampf, Ablenkung – oder bewusster Atem, Anpassung, Vertrauen?)
  3. Welche innere Stärke oder Erkenntnis könnte hier auf mich warten, wenn ich mich nicht gegen die Situation stelle, sondern mit ihr gehe?

Dieser Beitrag ist Teil des Themenbereichs „Natur, Balance & Biophilie“, in dem ich zeige, wie die Verbindung zur Natur innere Ordnung, Regeneration und seelische Balance fördern kann.

Von ♡ zu ♡

Deine Tine Sonnengold

P.S.: Hier findest du eine ÜBUNG: Kälte- Impulse für Frostbeulen –


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