Sisu – Innere Stärke in schwierigen Zeiten

17 Minuten Lesezeit

Was die finnische Lebensphilosophie über Resilienz, Selbstwirksamkeit und den Umgang mit Widrigkeiten lehrt

Sisu ist ein finnisches Konzept für innere Stärke, Entschlossenheit und Beharrlichkeit im Umgang mit schwierigen Lebenssituationen. Die noch junge Sisu-Forschung zeigt Überschneidungen mit Resilienz und Selbstwirksamkeit und unterscheidet zwischen hilfreicher und schädlicher Beharrlichkeit. Sisu bedeutet dabei nicht einfach „Augen zu und durch“: Gesunde innere Stärke schließt Selbstwahrnehmung, Unterstützung und Regeneration ein. In der WOHLFÜHLOGIE wird Sisu deshalb als Einladung verstanden, auch in schwierigen Zeiten handlungsfähig zu bleiben, die eigenen Grenzen wahrzunehmen und nach Belastungen wieder Kraft zu schöpfen.

Dieser Beitrag ist Teil der Serie: „Wohlfühlen kennt viele Sprachen“ innerhalb der Kategorie „Wohlfühlogie – Wissenschaft des Wohlfühlens“. Gemeinsam entdecken wir Lebensgefühle aus aller Welt – nicht als Reiselexikon, sondern als Inspiration für ein bewussteres Leben. Denn manche Wörter lassen sich kaum übersetzen, ihre Wirkung können wir trotzdem jeden Tag erleben.

Was tun, wenn das Leben gerade nicht mitspielt?

Stell dir vor, du stehst mitten in einem finnischen Winter. Der Wind pfeift, der Weg ist beschwerlich und eigentlich wäre es viel gemütlicher, einfach umzukehren.

Aber du gehst weiter.

Nicht, weil du keine Angst hast.
Nicht, weil es dir nichts ausmacht.
Und auch nicht, weil du besonders hart im Nehmen bist.

Du weißt einfach: Ich schaffe das. Irgendwie. Schritt für Schritt.

Genau hier beginnt Sisu.

Vielleicht ist es eine der schönsten Eigenschaften, die wir von Finnland lernen können: Schwierigkeiten nicht unbedingt vermeiden zu können und trotzdem darauf zu vertrauen, ihnen gewachsen zu sein.

Meine persönliche Sisu-Geschichte:
Wenn aus Schmerz etwas Neues wächst

Ich kenne dieses Gefühl des Weitermachens schon ziemlich lange. Mit 25 Jahren habe ich mich selbstständig gemacht. Seitdem gab es jede Menge Höhen und Tiefen, Erfolge und Rückschläge, Momente voller Zuversicht und andere, in denen ich mich gefragt habe, wie es eigentlich weitergehen soll.

Selbstständigkeit ist eben selten eine gerade Straße. Eher eine mit Kurven, Schlaglöchern und gelegentlichen Umleitungen. 

Doch eine der größten Herausforderungen meines Lebens war etwas ganz anderes: der Tod meiner Mutter.

Die Trauer darüber war nicht schön. Sie kam mit einer Wucht, die ich vorher nicht kannte. Und ich würde niemals behaupten, dass ein solcher Verlust etwas ist, für das man dankbar sein müsste.

Trauer tut weh.

Und trotzdem geschah dabei irgendwann etwas in mir. Inmitten dieser schmerzhaften Zeit tauchte ein Projekt wieder auf, das jahrelang brachgelegen hatte: mein Buchprojekt.

Etwas, das nun schon so lange in mir schlummerte und nun irgendwie raus wollte.

Und plötzlich war da wieder Kraft, mich ihm zuzuwenden.

Nicht, weil der Schmerz verschwunden war. Sondern weil neben dem Schmerz wieder etwas anderes entstehen durfte: Leben. Idee. Sinn. Schaffenskraft.

Es fühlte sich an, als würde dieser neue Schub dem Schmerz etwas entgegensetzen – nicht um ihn wegzumachen, sondern um ihm nicht das ganze Leben zu überlassen.

Aus diesem inneren Prozess entstand schließlich mein Buch:
„WOHLFÜHLOGIE – Oder (m)eine Wissenschaft des Wohlfühlens“ 


Und wie aus all den Gedanken, Notizen und diesem lange getragenen Herzensprojekt schließlich „Frau Wohlfühlen“ und Tine Sonnengold wurden, erzähle ich dir in einer anderen persönlichen Geschichte: „Von Frau Kritzel zu Frau Wohlfühlen“. Ein ehrlicher Blick auf Selbstfindung, Mut & Neubeginn.

Und damit war die Geschichte noch nicht zu Ende. Aus dem Buchprojekt entstand später auch dieser Blog – und damit ein Ort, an dem ich meine Gedanken, mein Wissen und meine Erfahrungen mit anderen Menschen teilen kann.

Wenn ich heute auf diese Geschichte zurückblicke, denke ich:
Genau das ist für mich ein Teil von Sisu.

Nicht unverwundbar zu sein.

Nicht immer stark zu sein.

Nicht so zu tun, als würde einen das Leben nicht treffen.

Sondern irgendwann wieder einen Weg nach vorne zu finden.

Und dabei darf etwas Neues entstehen, während das Alte noch weh tut.

Sisu – was bedeutet dieses finnische Wort eigentlich?

Sisu ist ein finnisches Wort, für das es im Deutschen keine einzelne Übersetzung gibt, die wirklich alles einfängt.

Je nach Zusammenhang wird Sisu mit Ausdauer, Beharrlichkeit, Mut, innerer Stärke, Entschlossenheit, Zähigkeit oder Durchhaltevermögen beschrieben.

Doch Sisu meint mehr als bloße Willenskraft.

Das Besondere liegt in der Verbindung: Es geht darum, auch dann handlungsfähig zu bleiben, wenn eine Situation schwierig, belastend oder scheinbar aussichtslos ist.

Dabei spielt das Innere eine wichtige Rolle. Der finnische Begriff wird mit dem Wortstamm sisä in Verbindung gebracht, der für „innen“ beziehungsweise „innerlich“ steht.

Sisu beschreibt damit etwas, das aus einem Menschen herauskommt.

Eine Art inneres Handwerkszeug für die Momente, in denen das Leben Gegenwind liefert.

Und Gegenwind gibt es schließlich überall auf der Welt.

Sisu ist mehr als „Augen zu und durch“

Auf den ersten Blick könnte man Sisu leicht mit unserem deutschen „Augen zu und durch“ verwechseln. Die Finnische Version, sozusagen.  Aber ganz so einfach ist es nicht.

Denn blindes Durchhalten um jeden Preis ist nicht automatisch Stärke und das ist mit Sisu eben nicht gemeint.

Wer immer nur funktioniert, seine Gefühle wegdrückt und keinerlei Pause zulässt, kann irgendwann völlig erschöpft sein.

Sisu hat eine andere Qualität.

Es geht darum, Schwierigkeiten anzunehmen und ihnen zu begegnen – mit Mut, Ausdauer und der Überzeugung, dass man ihnen gewachsen sein kann.

Und genau hier wird Sisu auch für die WOHLFÜHLOGIE spannend.

Denn innere Stärke braucht ein Gegenstück: Regeneration.

Warum Sisu uns stärken kann – was die Wissenschaft dazu sagt

Sisu ist die finnische Idee innerer Stärke: die Fähigkeit, schwierigen Zeiten mit Mut, Entschlossenheit und Beharrlichkeit zu begegnen. Wissenschaftlich interessant wird Sisu dort, wo es sich mit Resilienz und Selbstwirksamkeit überschneidet und wo sichtbar wird, dass gesunde Stärke immer auch Grenzen und Regeneration braucht.


Dieses kulturelle Konzept, wird inzwischen auch psychologisch untersucht. Die Forschung ist noch jung. Sie zeigt interessante Überschneidungen mit Resilienz, Selbstwirksamkeit und mentaler Widerstandskraft, macht aber auch deutlich: Sisu ist nicht einfach ein anderes Wort für Resilienz.

Resilienz – nach Belastungen wieder ins Leben finden

Resilienz beschreibt vereinfacht die Fähigkeit, mit schwierigen Lebenssituationen umzugehen und sich nach Belastungen wieder zu stabilisieren.

Dabei bedeutet Resilienz nicht, dass uns etwas nicht trifft.

Ein resilienter Mensch kann traurig sein. Er kann Angst haben. Er kann erschöpft sein.

Der Unterschied liegt eher darin, dass schwierige Erfahrungen nicht zwangsläufig das letzte Kapitel der Geschichte bleiben. Entscheidend ist, ob und wie wir danach wieder ins Leben zurückfinden – manchmal verändert, manchmal mit einer neuen Richtung.

Genau hier berührt Sisu die Resilienz.

✔️ WOHLFÜHL- MARKER:
Nicht unerschütterlich sein. Wieder aufstehen können.

Resilienz ist dabei keine feste Eigenschaft, die man entweder besitzt oder nicht besitzt. Sie entsteht aus einem Zusammenspiel verschiedener persönlicher und sozialer Ressourcen – und sie kann sich entwickeln. Genau darum geht es auch in meinem Beitrag „Wachstum aus Verlust: Die heilende Kraft deiner Resilienz“. Dort schaue ich genauer darauf, wie aus schmerzhaften Erfahrungen mit der Zeit neue Kraft, Selbstheilung und persönliches Wachstum entstehen können.

Selbstwirksamkeit – „Ich kann etwas bewirken“

Ein weiterer wichtiger Baustein ist die Selbstwirksamkeit.

Damit ist das Vertrauen gemeint, auch schwierige Situationen durch eigenes Handeln beeinflussen und bewältigen zu können.

Nicht: „Ich habe alles unter Kontrolle.“
Sondern: „Ich kann etwas tun.“

Dieser kleine Unterschied kann einen großen Unterschied machen.

Denn wenn wir uns selbst als handlungsfähig erleben, verändert sich auch unser Umgang mit Herausforderungen.

Wir werden eher aktiv, suchen nach Lösungen und können leichter den nächsten machbaren Schritt erkennen.

Selbstwirksamkeit ist nicht Sisu, aber sie kann einen wichtigen psychologischen Baustein dafür liefern.

Sisu hat zwei Seiten – innere Stärke braucht ein gesundes Maß

Sisu klingt zunächst nach Stärke, Durchhaltevermögen und dem festen Willen, auch schwierige Zeiten zu bewältigen. Und genau diese Seite kann uns stärken.

Die Forschung zeigt allerdings: Sisu ist nicht automatisch gut, nur weil wir durchhalten.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben deshalb genauer untersucht, welche unterschiedlichen Formen von Sisu sich zeigen können. Dabei wird deutlich: Es gibt eine hilfreiche Seite der inneren Stärke und eine Seite, bei der Durchhaltevermögen kippen kann.

Die hilfreiche Seite zeigt sich zum Beispiel darin, dass wir auch in schwierigen Situationen noch auf innere Kraftreserven zurückgreifen, ins Handeln kommen und beharrlich bleiben, wenn etwas wirklich wichtig ist.

Ganz WOHLFÜHLOGISCH übersetzt bedeutet das:

Ich habe Kraft.
Ich kann handeln.
Ich bleibe dran.
Und ich weiß, wofür.

Doch innere Stärke hat eine Grenze.

Wenn aus Beharrlichkeit ein „Ich muss da jetzt um jeden Preis durch“ wird, wir unsere eigenen Grenzen ignorieren oder weitermachen, obwohl Körper und Seele längst nach einer Pause rufen, kann aus Stärke Selbstüberforderung werden.

Dann wird aus: „Ich schaffe das.“

irgendwann: „Ich muss das schaffen – egal, was es mit mir macht.“

Und genau hier liegt der entscheidende Unterschied.

Die Forschung zu Sisu fand tatsächlich Zusammenhänge zwischen der hilfreichen Form von Sisu und höherem Wohlbefinden. Eine ungünstige, selbstschädigende Form von Sisu stand dagegen mit geringerem Wohlbefinden sowie mehr Stress und depressiven Symptomen in Verbindung.

Denn innere Stärke bedeutet nicht, möglichst lange durchzuhalten.

Sie bedeutet, die eigene Kraft klug einzusetzen.

♡ Zu wissen, wann du kämpfen möchtest.
♡ Zu wissen, wann du weitermachst.
♡ Zu wissen, wann du Hilfe brauchst.
♡ Und genauso zu wissen, wann es Zeit ist, loszulassen oder eine Pause einzulegen.

Sisu braucht deshalb nicht nur Mut und Ausdauer.
Sisu braucht auch Selbstwahrnehmung.

Denn wer seinen Körper, seine Gefühle und seine eigenen Grenzen wahrnimmt, kann unterscheiden: „Das ist eine Herausforderung, an der ich wachsen kann.“

oder „Hier überschreite ich gerade mich selbst.“

Und genau an dieser Stelle wird aus finnischer innerer Stärke WOHLFÜHLLOGIE.

Umgang mit Widrigkeiten – der Sturm gehört dazu

Ein schöner Gedanke aus Finnland lautet sinngemäß:
Wenn das Wetter schön ist, lernst du.
Wenn der Sturm kommt, hast du dein Handwerkszeug.

Das gefällt mir besonders gut, denn genau darum geht es bei einer gesunden inneren Stärke:  Wir entwickeln unsere Fähigkeiten nicht erst mitten in der Krise.
Wir üben sie vorher.

Unsere Fähigkeit, mit Herausforderungen umzugehen, entsteht aus vielen Erfahrungen. Wir lernen, Grenzen wahrzunehmen, Schwierigkeiten zu bewältigen, Unterstützung anzunehmen und unterschiedliche Strategien auszuprobieren. Mit jeder bewältigten Herausforderung kann unser persönlicher Erfahrungsschatz wachsen.

✔️ WOHLFÜHL-MARKER:
So entsteht mit der Zeit ein innerer Werkzeugkasten.

Regeneration – auch starke Menschen brauchen eine Pause

Regeneration ist nicht das Gegenteil von Sisu. Sie ist eine Voraussetzung dafür, dass Widerstandskraft nachhaltig bleiben kann. Denn wer nur durchhält, ohne sich zu erholen, verbraucht seine Ressourcen.

Innere Stärke bedeutet deshalb nicht, ständig weiterzumachen.

Manchmal bedeutet sie sogar, aufzuhören.

Zu schlafen.
Zu weinen.
Eine Pause zu machen.
Hilfe anzunehmen.
In die Natur zu gehen.
Den Körper wieder herunterzufahren.

Sisu braucht kein Dauerfeuer.

Sisu braucht auch einen Moment, in dem wir wieder auftanken.

Sisu beschreibt eine besondere Form von Entschlossenheit und innerer Widerstandskraft, die uns helfen kann, auch unter schwierigen Bedingungen handlungsfähig zu bleiben.

Die Forschung deutet zugleich darauf hin, dass diese Stärke eine Grenze braucht: Hilfreiches Sisu kann mit Wohlbefinden verbunden sein – schädliches Sisu kann entstehen, wenn Beharrlichkeit die eigenen Grenzen übergeht.

Für mich liegt genau hier die Verbindung zur WOHLFÜHLOGIE: Wahre Stärke zeigt sich nicht darin, wie lange wir durchhalten, sondern darin, dass wir spüren, wann es Zeit ist weiterzugehen und wann es Zeit ist, aufzutanken.

Sisu im finnischen Alltag – innere Stärke will gelernt sein

Sisu wird in Finnland nicht nur als persönliche Eigenschaft verstanden, sondern auch als Teil der kulturellen Identität.

Ein interessanter Gedanke dabei ist, dass Kinder früh Erfahrungen sammeln, die ihnen helfen können, mit unterschiedlichen Bedingungen umzugehen: draußen sein, Wetter erleben, sich anpassen, eigene Grenzen kennenlernen und ein angemessenes Maß an Risiko erfahren. Das Leben wird dadurch nicht risikofrei. Und genau darum geht es auch nicht.

Kinder lernen vielmehr:
Ich kann etwas ausprobieren.
Ich kann Schwierigkeiten erleben.
Ich kann damit umgehen.

Diese Erfahrungen können später zu einem inneren Vertrauen beitragen.

Zu diesem Gefühl: „Wenn der Sturm kommt, habe ich mein Handwerkszeug.“

Genau hier setzt auch die Naturpädagogik an – etwa in Waldkindergärten, in denen Kinder draußen erleben, ausprobieren, Grenzen erfahren und lernen: Ich kann das. Wie Natur dabei unsere inneren Ressourcen stärken und sogar zur Regulation beitragen kann, erfährst du in meinem Beitrag „Naturtherapie – wie Natur unsere inneren Superkräfte aktiviert“.


Naturerfahrungen sind nicht automatisch „Sisu“. Sie können jedoch Erfahrungsräume schaffen, in denen Selbstwirksamkeit, Anpassungsfähigkeit und Umgang mit Herausforderungen erlebt werden.

Sisu beginnt manchmal ganz unspektakulär: mit Matsch an den Schuhen, Wind im Gesicht und dem stolzen Gefühl eines Kindes, das gerade entdeckt hat: „Ich kann das.“

Wie du ein kleines Stück Sisu in dein Leben holen kannst

Sisu muss kein heroischer Kraftakt sein.

Es kann erstaunlich unspektakulär aussehen:

♡ Dein Sisu kann heute der eine Anruf sein, den du schon seit Wochen vor dir herschiebst.

♡ Es kann ein Spaziergang sein, obwohl dein Kopf gerade voller Sorgen ist.

♡ Es kann bedeuten, eine schwierige Sache nicht länger zu verdrängen, sondern sie endlich anzuschauen.

♡ Manchmal zeigt sich Sisu auch darin, Unterstützung anzunehmen. Denn Hilfe zu holen ist kein Zeichen von Schwäche – es ist eine Form von Selbstwirksamkeit.

Und nach einem Rückschlag bedeutet Sisu, nicht sofort die ganze Geschichte über dich und dein Leben neu zu schreiben.

Ein schwieriger Tag ist noch kein schwieriges Leben. Innere Stärke besteht oft nicht darin, den großen Berg auf einmal zu bezwingen. Sie besteht darin, heute den nächsten kleinen Schritt zu gehen. Und morgen den nächsten.

Was bedeutet das für die WOHLFÜHLOGIE?

Sisu erweitert unsere Vorstellung davon, was Wohlfühlen eigentlich bedeutet.

Wohlfühlen heißt nicht, dass immer alles leicht, angenehm und harmonisch sein muss. Zum Leben gehören Gegenwind, Veränderung, Verlust, Unsicherheit und schwierige Zeiten.

Die Frage ist deshalb nicht:
„Wie kann ich verhindern, dass mir etwas Schwieriges passiert?“

Die spannendere Frage lautet:
„Wie kann ich mich so stärken, dass ich mit dem umgehen kann, was das Leben mir bringt?“

Hier treffen sich Sisu und WOHLFÜHLOGIE:

Resilienz hilft uns, nach Belastungen wieder ins Gleichgewicht zu finden.

Selbstwirksamkeit erinnert uns daran, dass wir Einfluss nehmen können.

Ein gesunder Umgang mit Widrigkeiten hilft uns, Herausforderungen nicht automatisch als persönliches Versagen zu betrachten.

Und Regeneration sorgt dafür, dass aus innerer Stärke keine Selbstausbeutung wird.

Dabei geht es in der WOHLFÜHLOGIE auch um etwas ganz Grundsätzliches: die Verbindung zu deinem Körper, zu deinen Gefühlen, zu deinem eigenen Rhythmus und zu dem, was sich für dich wirklich stimmig anfühlt.

Denn innere Stärke bedeutet nicht, gegen dich selbst anzukämpfen.

Sie bedeutet, dich selbst immer besser kennenzulernen und wahrzunehmen, was du gerade brauchst, was dir guttut und wo deine eigenen Grenzen liegen.

Genau darum geht es auch in meinem Überblicksbeitrag „WOHLFÜHLOGIE verstehen“: Wohlfühlen nicht als oberflächliches „Mir geht es gut“, sondern als ganzheitliches Verständnis dafür, wie Körper, Gefühle, Gedanken, Nervensystem und Lebensweise zusammenspielen.

✔️ WOHLFÜHLOGIE- MARKER:
Du musst nicht immer stark sein.
Du darfst lernen, stark zu werden und dich genauso gut wieder zu erholen.

Dein Sisu-Wohlfühlmoment

Frag dich heute einmal:
Wo in meinem Leben brauche ich gerade ein bisschen Sisu?

Nicht mehr Druck.

Nicht mehr Disziplin.

Nicht „Jetzt reiß dich endlich zusammen“.

Sondern ein ruhiges: „Ich schaffe den nächsten Schritt.“

Und dann frag dich gleich noch etwas:
Was hilft mir dabei, meine Kraft anschließend wieder aufzuladen?

Denn genau darin liegt die Balance.

Kraft haben.
Kraft einsetzen.
Kraft wiederfinden.

Das ist Sisu mit WOHLFÜHLOGIE-Blick.

➸ Häufige Fragen zu SISU

1. Was bedeutet Sisu auf Deutsch?

Sisu lässt sich nicht mit einem einzigen deutschen Wort übersetzen. Gemeint ist eine besondere Form innerer Stärke, die Ausdauer, Mut, Beharrlichkeit, Entschlossenheit und Resilienz miteinander verbindet. Es geht darum, auch schwierigen Situationen standzuhalten und handlungsfähig zu bleiben.

2. Ist Sisu dasselbe wie Resilienz?

Nein. Die Begriffe überschneiden sich, sind aber nicht identisch. Resilienz beschreibt in der Psychologie die Fähigkeit, mit Belastungen umzugehen und sich nach schwierigen Erfahrungen wieder zu stabilisieren. Sisu ist ein finnisches kulturelles Konzept, das darüber hinaus Eigenschaften wie Mut, Entschlossenheit und beharrliches Handeln in schwierigen Situationen umfasst.

3. Ist Sisu einfach nur „Durchhalten“?

Nein – und genau hier wird es spannend. Sisu bedeutet nicht, um jeden Preis weiterzumachen und die eigenen Bedürfnisse zu ignorieren. Gesunde innere Stärke schließt Pausen, Selbstfürsorge, Unterstützung und Regeneration mit ein. Sisu ist deshalb mehr als ein finnisches „Augen zu und durch“.

4. Kann Sisu auch zu viel werden?

Ja. Die Forschung unterscheidet zwischen einer hilfreichen Form von Sisu und einer Form, bei der Beharrlichkeit in Selbstüberforderung kippen kann. Wenn wir unsere eigenen Grenzen dauerhaft ignorieren und um jeden Preis weitermachen, kann innere Stärke ihre positive Wirkung verlieren.

Gesundes Sisu bedeutet deshalb nicht, immer weiterzumachen.

Es bedeutet auch zu wissen, wann es Zeit ist, aufzutanken, Hilfe anzunehmen oder einen anderen Weg zu wählen.

5. Wie kann ich Sisu im Alltag ausprobieren?

Ganz klein anfangen. Einen schwierigen Anruf machen. Eine unangenehme Aufgabe angehen. Nach einem Rückschlag wieder einen nächsten Schritt planen. Unterstützung annehmen. Oder bewusst rausgehen und den Kopf frei bekommen.
Sisu muss kein heroischer Kraftakt sein. Manchmal ist Sisu einfach der nächste kleine Schritt.



Dein Wohlfühl-Reisegepäck aus Finnland

Jede Kultur kennt ihre eigene Sprache des Wohlfühlens. Gemeinsam ergeben sie ein Mosaik aus Lebensfreude, Balance und innerer Stärke.

SISU erinnert dich:

✔︎ Du musst nicht unerschütterlich sein.

✔︎ Du musst nicht alles alleine schaffen.

✔︎ Du musst schwierige Zeiten nicht schönreden.

✔︎ Aber du darfst dir zutrauen, dass du ihnen gewachsen sein kannst.

Manchmal liegt deine größte Stärke nicht darin, den Sturm zu verhindern.

Sondern darin, dein Handwerkszeug zu kennen, wenn er kommt.

Und danach?

Darfst du dich ausruhen.

Denn auch in Finnland scheint irgendwann wieder die Sonne. 

Für mich liegt darin die schönste Seite von Sisu:
Nicht einfach nur durchzuhalten, wenn das Leben schwierig wird. Sondern trotz allem weiterzuleben, weiterzufühlen und irgendwann wieder etwas Neues entstehen zu lassen. 

Unsere kleine wissenschaftliche Weltreise geht weiter

Wir machen einen Sprung nach Osten: nach Japan, ins Land des Lächelns, zum Lebensgefühl Ikigai (japanisch 生き甲斐 ‚Lebenssinn).

Es zeigt uns, dass Wohlfühlen auch bedeutet, einen Grund zu haben, morgens aufzustehen, sich mit dem eigenen Leben verbunden zu fühlen und das, was uns wichtig ist, im Alltag lebendig werden zu lassen.

Ikigai fragt dabei nicht nur: „Was macht mich glücklich?“
Es geht um etwas Tieferes: Was gibt meinem Leben Bedeutung? Was lässt mich aufblühen? Und was lässt mich spüren: Das hier ist mein Weg?

Die nächste Station unserer Reise führt uns also von der inneren Stärke des Sisu zur Frage nach dem Sinn – und damit zu Ikigai. 


Von ♡ zu ♡

Deine Tine Sonnengold

2 Antworten auf „Sisu – Innere Stärke in schwierigen Zeiten“

  1. Zuerst großen Dank für diesen „wohlgefühlten“ Artikel, der den Ansatz eines integrierenden Vorgehens in der sehr weitreichenden Thematik in Kürze klar und nachvollziehbar schildert. Mehr davon könnte vielenLesern weiterhelfen zumidest weiterführen. Denn der Blick nach Japan mit Ikigai verdeutlicht dies.

    1. Lieber Gerdhardt,

      herzlichen Dank für diese wertschätzenden Worte – und vor allem dafür, dass du so genau hingeschaut hast. ♡

      Dein Gedanke zum „integrierenden Vorgehen“ trifft ziemlich genau das, was hinter der WOHLFÜHLOGIE steckt: Ich möchte Wissen nicht nebeneinanderstellen, sondern miteinander verbinden und daraus etwas machen, das Menschen verstehen, fühlen und im eigenen Leben ausprobieren können. Denn ich selbst komme aus der Praxis.

      Und ja: Der Blick nach Japan steht tatsächlich schon bereit.
      Mit Ikigai geht unsere kleine Reise durch die Lebensgefühle dieser Welt weiter. Von Finnland nach Japan – und immer mit der Frage im Gepäck: Was können wir davon für unser eigenes Wohlfühlen mitnehmen?

      Danke, dass du mich mit deinem Kommentar gleich noch ein Stück weiterführst. Genau solche Gespräche wünsche ich mir hier. ♡

      Herzlich
      Tine

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert